# taz.de -- Kommentar zum Kita-Tarifkonflikt: Streikziel verfehlt
       
       > Verdi hat es nicht geschafft, im Tarifkonflikt den Frauenberuf
       > „Erzieherin“ aufzuwerten. Die Verärgerung der Streikenden ist
       > nachvollziebar.
       
 (IMG) Bild: Vier Wochen haben ErzieherInnen gestreikt – mit magerem Ergebnis.
       
       Wochenlang hatte die Erzieherin von allen Plakaten herab verkündet:
       „Richtig was wert!“ Seit Dienstag steht fest: So richtig viel wert sind
       Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen in unserer Gesellschaft noch nicht.
       Ihr primäres Ziel, den Frauenberuf „Erzieherin“ endlich aufzuwerten, haben
       die Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi nicht erreicht. Es war daher
       richtig, dass die Basis den Schlichterspruch abgelehnt hat.
       
       Dabei standen die Zeichen am Anfang gar nicht schlecht. Gerade in den Kitas
       ist die Nachfrage an qualifiziertem Personal enorm gestiegen, seit die Kita
       nicht mehr als Verwahranstalt, sondern als frühpädagogische Förderstätte
       gilt. Dass mit neuen Aufgaben die Bezahlung steigen muss, dagegen hatte
       niemand etwas einzuwenden. Die ErzieherInnen waren zu über 90 Prozent
       bereit, dafür in den Arbeitskampf zu ziehen. Moralisch bekamen sie viel
       Zuspruch – Eltern erklärten sich solidarisch, Vizekanzler Sigmar Gabriel
       klopfte den Streikenden verbal auf die Schultern. Politischen Rückhalt
       bekamen sie nicht.
       
       Bessere Einkommen im „Sozial- und Erziehungsdienst“ müssen vor allem die
       klammen Kommunen tragen. Diesem Umstand trugen die Schlichter Rechnung:
       Eine breite Aufwertung soll es nicht geben. Einzelne werden belohnt –
       besonders berufserfahrene ErzieherInnen (und damit langjährige
       Gewerkschaftsmitglieder). BerufseinsteigerInnen müssen sich mit 20 bis 30
       Euro netto zufrieden geben. Sozialarbeiterinnen sind ganz raus.
       
       Wenn die Gewerkschaften das Ergebnis annehmen, hätten sie einen Teil ihrer
       Mitglieder verkauft, um nach einem kräftezehrenden Arbeitskampf ein
       gesichtswahrendes Ergebnis vorweisen zu können. Dafür haben aber die
       wenigsten gestreikt. Dass sie weiter kämpfen wollen, ist folgerichtig.
       Damit „richtig was rauskommt“.
       
       25 Jun 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
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