# taz.de -- Aufarbeitung von Missbrauchsfällen: Grüne bereiten Opferhilfe vor
       
       > Sieben Missbrauchsopfer haben sich an die Hotline der Grünen gewandt.
       > Zwei haben indirekt mit der Partei zu tun, aber welche Verantwortung
       > trägt diese?
       
 (IMG) Bild: Will die „institutionelle Verantwortung“ der Grünen prüfen: Parteichefin Simone Peter
       
       BERLIN taz | Am Montag hat der Parteivorstand der Grünen ein neues Gremium
       geschaffen: einen dreiköpfigen „Anhörungsbeirat“. Er soll sich darum
       kümmern, wie man Personen, die von sexueller Gewalt aus dem Grünen-Kontext
       betroffen sind, angemessen entgegenkommen kann. Auch ein externer
       Opferanwalt soll dem Beirat angehören.
       
       Der Beschluss hat eine lange Vorgeschichte und einen konkreten Anlass: Bei
       der Hotline der Grünen für Missbrauchsopfer haben sich zwei heute
       erwachsene Brüder gemeldet, die als Kinder zwischen 1980 und 1984 in der
       christlich-alternativen Dachsberg-Kommune in Kamp-Linfort (NW) sexuell
       missbraucht wurden – am Rande von Grünen-Treffen und parteinahen
       Veranstaltungen.
       
       Ihre Berichte seien „sehr klar und glaubwürdig“, sagt Marcus Bocklet,
       Mitglied der parteiinternen AG Aufarbeitung und Landtagsabgeordneter aus
       Hessen. Bocklet selbst hat für seine Partei mit den Brüdern gesprochen. Die
       Dachsberg-Kommune hat zwar längst den Ruf eines Orts des Missbrauchs, aber
       die Gemengelage ist kompliziert. Der Dachsberg war keine Parteieinrichtung,
       sondern gehörte zur Emmaus-Gemeinschaft. Allerdings saß der Geschäftsführer
       als Pädophilielobbyist im Landesvorstand der Grünen. Welche konkrete
       Verantwortung leitet sich daraus für die Grünen rund dreißig Jahre später
       ab?
       
       Einer der Betroffenen aus NRW hat laut Bocklet inzwischen den Wunsch nach
       einer Geldzahlung vorgebracht. Der neue „Anhörungsbeirat“ der Partei wird
       sich nun wohl damit befassen.
       
       Erst vergangene Woche trafen sich Spitzen-Grüne nochmals mit dem
       Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, um sich über die nächsten
       Schritte zu beraten. Schließlich ist nicht unwahrscheinlich, dass sich auch
       aus Berlin in nächster Zeit noch Betroffene melden, die Opfer von Tätern
       mit grünem Parteibuch wurden.
       
       ## Institutionelle Verantwortung im Einzelfall
       
       Parteichefin Simone Peter teilte am Mittwoch mit: Die Grünen trügen zwar
       „grundsätzlich keine Verantwortung für Straftaten einzelner
       Parteimitglieder“, aber man wolle sich „in jedem Einzelfall der Frage nach
       unserer institutionellen Verantwortung“ stellen. Konkret seien Hilfen beim
       Zugang zu Therapien denkbar – „oder eine Zahlung an Betroffene zur
       Anerkennung des ihnen zugefügten Leides“.
       
       Insgesamt sieben Betroffene hätten sich inzwischen bei einer Telefonhotline
       gemeldet, die seit letztem Sommer geschaltet ist. Fünf dieser Fälle haben
       nach Grünen-Angaben nichts mit der Partei zu tun. In den zwei Fällen aus
       Nordrhein-Westfalen besteht ein begründeter Verdacht.
       
       „Die Grünen waren mehr als nur ein Ort der Debatte“, sagt der
       Grünen-Abgeordnete Bocklet. „Das ist eine bittere Erkenntnis.“ Aber seine
       Partei sei bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen.
       
       21 May 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Astrid Geisler
       
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