# taz.de -- Pflege: Mehr Beiträge, mehr Hilfe
       
       > Die Pflegeversicherung wird teuerer - die Finanzreform bei der Pflege
       > steht trotzdem noch aus.
       
 (IMG) Bild: Mehr Hilfe für Demenzkranke und eine neue Pflegezeit - karitative Einrichtungen begrüßen die Beschlüsse der Koalition.
       
       BERLIN taz Eines ist klar: Nach der nächsten Bundestagswahl wird die Reform
       der Pflegeversicherung erneut auf der Agenda stehen. "Ich setze auf die
       Zeit nach 2009", sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und
       bedauerte, dass Union und SPD sich nicht auf eine "gerechtere Finanzierung"
       der Pflegeversicherung verständigen konnten. Der Kompromiss, auf den sich
       die Koalition geeinigt hatte, sei dennoch "wegweisend".
       
       Danach soll der Beitrag zur Pflegeversicherung von derzeit 1,7 Prozent zum
       1. Juli 2008 um 0,25 Prozentpunkte erhöht werden. Kinderlose zahlen, wie
       jetzt schon, einen Zuschlag von 0,25 Prozent. Im Gegenzug soll dafür
       bereits zum 1. Januar 2008 die Arbeitslosenversicherung um 0,3
       Prozentpunkte sinken. Obwohl Rentner von diesem Ausgleich nicht
       profitieren, müssen sie bei der Pflege die volle Belastung tragen.
       
       Demenzkranke sollen künftig bis zu 2.400 Euro im Jahr erhalten, auch wenn
       sie noch keine Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Dies koste
       jährlich zwischen 300 und 500 Millionen Euro in den kommenden 20 Jahren, so
       Schmidt.
       
       Teuer wird auch die Dynamisierung der Pflegesätze: Im ambulanten Sektor und
       für Schwerpflegebedürftige in Heimen werden sie bis 2012 in drei Schritten
       erhöht. Nach Angaben der Ministerin schlägt dies anfangs jährlich mit 420
       Millionen Euro zu Buche, Tendenz: steigend. Mit der Beitragssatzerhöhung
       seien die Leistungen der Pflegeversicherung bis 2014 finanziert.
       
       Beschlossen hat die Koalition auch die Einführung einer sechsmonatigen
       Pflegezeit, in der sich Angehörige unbezahlt von der Arbeit freistellen
       lassen können - allerdings nur, wenn sie in einem Unternehmen mit mehr als
       zehn Beschäftigten arbeiten. In "Pflegestützpunkten" sollen Fallmanager
       zudem künftig ortsnah mit Rat beistehen.
       
       Die Opposition kritisierte die Einigung übereinstimmend als
       "Schmalspurprogramm" ("Die Linke"), von "deutlichen Verbesserungen" sprach
       dagegen der Sozialverband Deutschland, von "einem ersten Lichtblick" die
       Caritas. Allen ist klar: Die Finanzreform steht bei der Pflege noch aus.
       
       20 Jun 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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