# taz.de -- Online-Durchsuchungen: "Ein schwerer Grundrechtseingriff"
> SPD-Politiker Wiefelspütz will die Entscheidung über
> Online-Durchsuchungen vertagen - und warnt die Union davor, "alles auf
> einmal" zu wollen
(IMG) Bild: In Warteposition: Dieter Wiefelspütz
taz: Herr Wiefelspütz, letzte Woche ließ die SPD ein Gespräch mit
Innenminister Schäuble platzen, bei dem es um die Einführung von
Online-Durchsuchungen ging. Einen Tag später warnte Schäuble vor
verstärkter Terrorgefahr. Will er Druck auf die SPD ausüben?
Dieter Wiefelspütz: Die Terrorwarnung ist durchaus plausibel.
Die Union wirft der SPD sinngemäß vor, eine Gefahr für die Innere
Sicherheit zu sein.
Solange die SPD als Sicherheitsrisiko bezeichnet wird, kann man natürlich
keine vernünftigen Verhandlungen führen. Deshalb hat das Gespräch letzte
Woche auch nicht stattgefunden.
Ist die SPD für oder gegen die heimliche Ausspähung von Computern mit
polizeilicher Spionagesoftware?
Die SPD will, dass wir uns für diese äußerst komplexe Frage genügend Zeit
nehmen. Es geht schließlich um einen schwerwiegenden Grundrechtseingriff,
wenn der Staat am heimischen PC mitlesen kann. Dass ich persönlich die
Einführung von Online-Durchsuchungen bei schwerer Kriminalität befürworte,
ist ja bekannt. Aber das muss auch in der Partei gründlich diskutiert
werden, etwa mit Peter Struck, dem Fraktionsvorsitzenden, oder Brigitte
Zypries, der Justizministerin, die noch Bedenken haben.
Wieviel Zeit braucht die SPD noch zur Meinungsfindung?
Es geht nicht nur um die SPD. Es macht auch Sinn, die Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts zum NRW-Verfassungsschutzgesetz abzuwarten, das
die Online-Durchsuchung erstmals ausdrücklich gesetzlich geregelt hat. Das
Urteil, das ich noch in diesem Jahr erwarte, wird uns helfen, auch im Bund
eine rechtstaatliche Lösung zu finden.
Die Union will aber nicht so lange warten.
Das ist ein Fehler. Wer alles auf einmal will, bekommt am Ende gar nichts.
Wie meinen Sie das?
Eigentlich verhandeln wir mit der Union über die Novellierung des
BKA-Gesetzes. Weil die Union und Schäuble dem BKA aber unbedingt sofort die
Möglichkeit zur Online-Durchsuchung geben wollen, werden die Verhandlungen
sehr schwierig sein. Daran hakt derzeit die BKA-Novelle.
Worum geht es denn bei der BKA-Novelle?
Bei der Föderalismusreform im Herbst wurde im Grundgesetz geregelt, dass
das Bundeskriminalamt auch präventiv gegen Terrorismus aktiv werden darf.
Bisher dürfen das nur die Landespolizeien. Wir müssen jetzt ein Gesetz
schaffen, das die neuen präventiven Befugnisse des BKA definiert. Da gibt
es genügend Zündstoff, immerhin geht es unter anderem um
Telefonüberwachung, großen Lauschangriff und Rasterfahndungen.
Ist die Online-Durchsuchunge für Schäuble ein Prestigeobjekt?
Ich hoffe nicht. Denn so wichtig ist sie derzeit gar nicht. Es macht viel
mehr Sinn, die BKA-Reform zügig abzuschließen, und die Online-Durchsuchung
anschließend in Ruhe zu diskutieren.
Gilt das auch für Staats-Hacking beim Verfassungsschutz?
Ja. Wir sollten die Diskussion über die Online-Durchsuchung einmal
gründlich führen und die Lösung dann ins BKA-Gesetz, in die
Strafprozessordnung und ins Verfassungsschutzgesetz einbauen. INTERVIEW:
CHRISTIAN RATH
28 Jun 2007
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(DIR) Schwerpunkt Überwachung
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