# taz.de -- Energiegipfel: Stalinist gegen Bolschewist
       
       > Wenige Tage vor dem Energiegipfel wird der Tonfall zwischen
       > Umweltminister und Energiebranche rauer
       
 (IMG) Bild: Sieht so ein "Wirtschaftsstalinist" aus? BASF-Chef Hambrecht.
       
       BERLIN taz "Wirtschaftsstalinist" schimpft der Bundesumweltminister auf den
       BASF-Chef, "Ökobolschewist" schallt es ihm aus der mittelständischen
       Wirtschaft entgegen. Der Regierung fehle es an "Ausgewogenheit, Vernunft
       und Realismus", sagt Eon-Chef Wulf Bernotat.
       
       Es dürfte also heiß hergehen auf dem Energiegipfel am kommenden Dienstag.
       Dabei sollte die Runde aus Wirtschaft und Politik eigentlich darüber
       beraten, wie Deutschland seine Klimaschutzziele schaffen kann. Doch genau
       das sorgt jetzt für Streit. 40 Prozent weniger Kohlendioxid als 1990 sollen
       2020 in die Luft geblasen werden. Unrealistisch, sagte Bernotat gestern in
       der FAZ. Gerade mal 25 Prozent seien zu schaffen. Und selbst dann müsste
       die Energieffizienz in Deutschland jährlich um 2 Prozent steigen.
       Gegenwärtig sind es gerade mal 0,9 Prozent.
       
       Die Bundesregierung hat allerdings Energieszenarien berechnen lassen, nach
       denen eine jährliche Effizienzssteigerung von 3 Prozent nötig ist, um das
       Klimaschutzziel zu erreichen. Dabei wird vorausgesetzt, dass in Deutschland
       wie vereinbart die Atomkraftwerke vom Netz gehen.
       
       Und darum dürfte es der Energiewirtschaft tatsächlich gehen. Denn bislang
       hat Minister Sigmar Gabriel alle Versuche der Energiewirtschaft
       abgeschmettert, über Sondergenehmigungen die ältesten Meiler über die
       kommende Bundestagswahl zu retten. Sie sind längst abgeschrieben und
       bringen den Betreibern hohe Profite. Die Konzerne begründen ihre Anträge
       aber stets auch mit dem Klimaschutz. Das von der Bundesregierung in Auftrag
       gegebene Szenario kommt aber gerade mal auf eine CO2-Einsparung von 6
       Prozent durch längere Kraftwerkslaufzeiten.
       
       Möglich, dass den Vertretern der Wirtschaft aber auch überhaupt nicht an
       einer Einigung gelegen ist. BASF-Chef Jürgen Hambrecht hat schon damit
       gedroht, künftig der Runde fernzubleiben. Vielleicht auch, weil er den
       Klimawandel gar nicht so schlimm findet. In einem Spiegel-Interview sagte
       er kürzlich: "Das 21. Jahrhundert gilt bei vielen Forschern als das
       erfolgreichste für die Menschen in Europa - und das Jahrhundert, in dem es
       in Europa am wärmsten war."
       
       29 Jun 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephan Kosch
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Energiegipfel: Wer bezahlt den Klimaschutz?
       
       Mehr Leistung, weniger Verbrauch - so will die Große Koalition das Klima
       schützen. Experten haben dazu ein ambitioniertes Konzept vorgelegt. Doch
       nun gibt es Streit, wer das bezahlen soll.
       
 (DIR) Kommentar: Erfreuliche Ehrlichkeit
       
       Bislang war der Energiegipfel eher ein Showtermin. Inzwischen wird der Ton
       aggressiver. Kein Wunder: Die Interessengegensätze zwischen Politik und
       Industrie sind zu groß. Es kann keinen Konsens geben.
       
 (DIR) Atomkraft: "Klimaschützer der Woche" vom Netz
       
       Nach Feuer und Kurzschlüssen mussten die Akws in Krümmel und Brunsbüttel
       vorläufig abgeschaltet werden. Grüne Rebecca Harms verlangt schnelleres
       Ende für den Meiler in Krümmel.