# taz.de -- Umstrittenes Verfahren gegen Mitarbeiter: NRW-Umweltminister in Not
       
       > LKA-Papiere belegen: Die Verhaftung eines Ex-Mitarbeiters bewahrte
       > Umweltminister Uhlenberg (CDU) vor dem Rücktritt.
       
 (IMG) Bild: Uhlenberg im Fokus der Medien. Wahrscheinlich wäre ihm weniger Aufmerksamkeit gerade lieber
       
       DÜSSELDORF taz In der Affäre um die Verhaftung eines hochrangigen
       Exmitarbeiters des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums wächst der
       Druck auf den zuständigen Minister Eckhard Uhlenberg (CDU) und seinen
       Staatssekretär Alexander Schink. Uhlenberg müsse die politische
       Verantwortung für die Strafanzeigen übernehmen, die Schink gegen den
       Exabteilungsleiter des Umweltministeriums, Harald Friedrich, gestellt hat,
       fordert die Opposition im Düsseldorfer Landtag.
       
       "Uhlenberg ist permanent auf Tauchstation", sagt die SPD-Umweltexpertin
       Svenja Schulze. "Der Minister darf sich nicht weiter hinter Schink
       verstecken, sondern muss endlich mal Minister sein", fordert auch
       Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Johannes Remmel. "Uhlenberg", sagt Remmel,
       "steht mit dem Rücken zur Wand. Die Zeit, reinen Tisch zu machen, ist
       begrenzt."
       
       Staatssekretär Schink hat insgesamt drei Strafanzeigen, etwa wegen
       Bestechlichkeit, gegen seinen 2006 entlassenen Exmitarbeiter Friedrich
       gestellt. Ende Mai 2008, als Schinks Minister Uhlenberg wegen des
       PFT-Skandals um verseuchtes Trinkwasser aus der Ruhr so sehr unter Druck
       stand, dass in Düsseldorf schon einmal über seinen Rücktritt spekuliert
       wurde, wurde Friedrich sogar verhaftet.
       
       Der Grüne, der als Experte für Wasserwirtschaft sein Fachwissen seiner
       Partei zur Verfügung gestellt hatte, wanderte in Wuppertal über drei Wochen
       in Untersuchungshaft. In der Landeshauptstadt war deshalb von politischer
       Justiz die Rede. Mittlerweile ist der Haftbefehl gegen den promovierten
       Chemiker aber aufgehoben und die damals erhobenen Korruptionsvorwürfe sind
       vom Tisch.
       
       Schon 2006 sammelte Schink offenbar über Monate belastendes Material gegen
       Friedrich. Unterlagen des ermittelnden Landeskriminalamts (LKA), die der
       taz vorliegen, legen nahe, dass er dazu die ehrgeizige Stellvertreterin des
       Abteilungsleiters, Dorothea Delpino, benutzte. "Herr Dr. Friedrich soll
       gerüchteweise in seiner früheren Stellung die Kündigung erhalten haben
       aufgrund von Vergabeproblemen", schrieb Delpino am 1. Juni 2006 an den
       Staatssekretär - und forderte, "systematisch ausgewählte Projekte
       überprüfen zu lassen". Insgesamt schickte Delpino mindestens sechs solcher
       E-Mails an Staatssekretär Schink, die dann prompt als Beweismaterial beim
       Landeskriminalamt landeten.
       
       Die Argumentation von Uhlenberg und Schink, das LKA habe von sich aus
       Ermittlungen gegen Friedrich aufgenommen, deshalb habe das Ministerium mit
       Friedrichs Untersuchungshaft rein gar nichts zu tun, dürfte damit wohl nur
       noch schwer zu halten sein. Wie gelegen Umweltminister Uhlenberg die
       Verhaftung seines Abteilungsleiters kam, wird durch eine Zeugenaussage
       Delpinos am 6. Juni 2008 gegenüber Beamten der Ermittlungskommission
       "Stuhl" des LKA deutlich: "Dr. Friedrich hat das Thema PFT an der Ruhr
       derart hochgekocht, dass der Rücktritt des Ministers Uhlenberg mehrfach
       gefordert wurde", sagte die Zeugin Delpino gegen 9.30 Uhr aus. Dann fügte
       sie hinzu: "Weil er als ehemaliger Abteilungsleiter alle Informationen
       kennt, ist er durchaus in der Lage, die ganze Abteilung lahmzulegen."
       
       13 Dec 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
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