# taz.de -- Bitte um weitere Kredite: Autoriesen brauchen mehr Geld
> General Motors und Chrysler haben um 23 Milliarden Dollar weitere Kredite
> vom Staat gebeten. Garantien gibt es im Gegenzug dafür keine, jedoch
> ungute Berichte über Opel.
(IMG) Bild: Betteln für den maroden Riesen: GM-Chef Wagoner nach der Pressekonferenz.
Beide US-Autobauer, General Motors und Chrysler, haben bereits 17,4
Milliarden US-Dollar in staatlichen Rettungskrediten erhalten - und haben
am Dienstagabend um weitere 23 Milliarden gebeten. Damit steigt der Preis
für die Rettung der Detroiter Konzerne auf 39 Milliarden US-Dollar - ohne
Garantie, dass die Unternehmen in Zukunft nicht noch mehr Milliarden zum
Überleben benötigen. Um der US-Regierung zu demonstrieren, dass beide
Firmen ihrerseits das Notwendige tun, stellten deren Manager ein
drastisches Sanierungsprogramm vor, das auch in Europa Jobs kosten wird.
GM-Chef Rick Wagoner kündigte nämlich an, der Konzern werde 47.000 Stellen
streichen, davon 26.000 außerhalb der Vereinigten Staaten. Weiter würden
fünf Werke in Nordamerika geschlossen und damit die Zahl der Standorte auf
33 reduziert. Global beschäftigt der einstige Weltmarktführer 245.000
Menschen.
Zur Zukunft von Opel gab Wagoner keine Auskunft. Damit ist weiterhin
unklar, ob GM die Standorte Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und
Kaiserslautern schließen oder Opel komplett verkaufen will. "Wir sind
mittendrin, mit verschiedenen Seiten zu sprechen, darunter auch mit der
deutschen Regierung", sagte Wagoner. Zu Spekulationen über eine Trennung
von Opel sagte Wagoner lediglich, bisher sei niemand an GM wegen eines
Verkaufs herangetreten.
Für einen Konzern, der sich einst damit brüstete, ein Auto für jeden
Geschmack und jedes Portemonnaie zu bieten, wird die Zukunft - so viel
wurde am Dienstag klar - eher bescheiden. Kritiker meinten: noch längst
nicht bescheiden genug. GM kündigte an, sich von vier seiner acht
Automarken zu trennen. Saab in Schweden sowie Hummer und Saturn in den USA
sollen verkauft werden, Pontiac wird eingestellt. Im Heimatland will sich
GM künftig auf die Marken Chevrolet, Cadillac, GMC und Buick beschränken.
Der Konzern ließ zudem wissen, man sei im Gespräch mit der
Autobauer-Gewerkschaft, um die Arbeits- und Sozialversicherungskosten zu
reduzieren.
Die Streichungen sind Voraussetzung für neue Staatshilfen. Bislang hatte GM
von der US-Regierung rund 13,4 Milliarden Dollar erhalten. Nun fordert der
US-Branchenführer weitere 16,6 Milliarden. Chrysler will weitere 5
Milliarden und bot im Gegenzug die Entlassung von 3.000 Menschen, die
Reduzierung des Outputs um 100.000 Autos pro Jahr sowie den
Produktionsstopp von drei Autotypen an - ein Plan, der angesichts der
massiven Schwierigkeiten Chryslers von Analysten als viel zu halbherzig
kritisiert wurde.
Das von Konservativen geforderte "geordnete Insolvenzverfahren" mit
Gläubigerschutz würde dagegen, betonten die GM- und Chrysler-Chefs
nachdrücklich, "noch viel teurer werden und könnte den Staat bis zu 100
Milliarden Dollar kosten". GM gab an, mit der staatlichen Hilfe innerhalb
von 24 Monaten wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Bliebe die Hilfe
aus, sei der Konzern bis Ende März zahlungsunfähig. Eine Garantie, dass die
geforderten Staatskredite ausreichend sein würden, mochten beide Firmen
nicht abgeben.
GM und Wettbewerber Chrysler müssen auf Grundlage ihrer am Dienstag
angekündigten Umstrukturierungen ihre Überlebensfähigkeit bis Ende März
beweisen. Die US-Regierung schloss unterdessen eine Insolvenz der beiden
Automobilkonzerne nicht aus. Washington werde die vorgelegten
Sanierungspläne in den kommenden Tagen prüfen, sagte der Sprecher des
Weißen Hauses, Robert Gibbs.
Am Mittwoch stand ein Treffen von GM-Chef Wagoner und dem
NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) in Detroit an, bei dem es um
die deutschen Opel-Werke gehen sollte. Mit der Bundesregierung verhandelt
Opel wegen der GM-Schieflage über eine Bürgschaft von bis zu 1,8 Milliarden
Euro. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, GM stelle drei
Werke in Europa zur Disposition. Bochum und Antwerpen könnten geschlossen,
Eisenach verkauft werden.
18 Feb 2009
## AUTOREN
(DIR) Adrienne Woltersdorf
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