# taz.de -- Proteste gegen Nato-Gipfel: Warnung vor "Bürgerkriegsszenario"
> Aktivisten befürchten schwere Auseinandersetzungen in Straßburg, falls
> die Behörden ihre Strategie nicht ändern. Bislang darf in der Innenstadt
> nicht demonstriert werden.
(IMG) Bild: Ernten harrsche Kritik: die Absperrungen der Innenstädte beim Nato-Gipfel
STUTTGART taz Der Streit um die Demonstrationen gegen den Nato-Gipfel am
ersten Aprilwochenende in Straßburg, Kehl und Baden-Baden spitzt sich zu.
GegnerInnen des Nato-Gipfels wollen sich gegen ein Demonstrationsverbot in
Straßburg zur Wehr setzen. Die gesamte Innenstadt soll in eine sogenannte
rote Sperrzone verwandelt werden, eine Fläche mit einem Radius von sieben
Kilometern, sagte Reiner Braun vom Internationalen Koordinationskomitee "No
to Nato", obwohl das Kongresszentrum der Gipfelteilnehmer am Rande der
Innenstadt liegt. Was dort geplant ist, sei "ein Bürgerkriegsszenario",
sagte Braun.
Geht es nach dem Willen der Behörden, soll die für den 4. April geplante
Demonstration am Hafen von Straßburg ihren Ausgang nehmen, die allerdings
um die Stadt herum geleitet werden soll. Das Protestbündnis plant deswegen
eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Eine Grundsatzentscheidung
könnte derartige Verbote in Zukunft verhindern, sagte Braun und hofft, dass
die Behörden innerhalb der nächsten zwei Wochen von ihrem Kurs absehen.
Andernfalls drohe eine Eskalation der Situation, sagte Braun. Tausende
Demonstrierende könnten auf eigene Faust versuchen, in die Stadt zu
gelangen.
Auf der deutschen Seite des Gipfels, in Baden-Baden und Kehl, gebe es
bisher zwar noch keine Demonstrationsverbote, berichtet Braun. Allerdings
seien auch noch keine Demonstrationen von den Behörden abgesegnet.
Sicherheitszonen, geschlossene Grenzübergänge, gesperrte Straßen und
gesperrter Zug-, Schiffs- und Flugverkehr werden auch auf deutscher Seite
zu beträchtlichen Einschränkungen für Bevölkerung und Protestierende
führen. Braun forderte die Behörden auf, Abstand zu nehmen "von diesem
Konfrontationskurs".
Vor einer Ausnahmesituation warnt indes auch die Gegenseite: Der
baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) rechnet mit bis zu
25.000 Gipfelgegnern, darunter 3.000 sogenannte gewaltbereite Aktivisten.
Nach derzeitigem Stand müsse mit "einer ansehnlichen Zahl von autonomen
Nato-Gegnern aus der linken Szene" gerechnet werden, sagte Rech. Damit den
Behörden genug Einsatzkräfte zur Verfügung stehen, hat er vorsorglich für
das Aprilwochenende sämtliche Fußballspiele abgesagt.
26 Feb 2009
## AUTOREN
(DIR) Ingo Arzt
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