# taz.de -- Kommentar Sudan: Sudan braucht Selbstreinigung
       
       > Jetzt ist es endlich amtlich, dass Sudans Präsident die persönliche
       > Verantwortung trägt für das, was im Namen des Staates in Darfur an
       > Verbrechen geschehen ist.
       
       Eigentlich hatte der Internationale Strafgerichtshof gar keine Wahl: Hätten
       sich die Richter in Den Haag geweigert, Haftbefehl gegen Sudans Präsidenten
       Omar Hassan al-Bashir zu erlassen, wäre dies ein Freibrief für den
       Völkermord in Darfur gewesen, begleitet von unerträglichem Triumphgeheul in
       Khartum, der Hauptstadt des Sudans. Nun ist der Haftbefehl ergangen, und in
       Khartum wird erwartungsgemäß protestiert.
       
       Dass die Richter nun allerdings den Vorwurf des Völkermordes bewusst aus
       ihrem Haftbefehl herausgestrichen haben und damit dem zentralen Argument
       von Chefankläger Luis Moreno-Ocampo widersprechen, hinterlässt einen
       schalen Beigeschmack - so als ob hunderttausende von Toten, die in Darfur
       dem Vernichtungsfeldzug von Armee und regierungstreuen Milizen zum Opfer
       gefallen sind, irgendwie nicht ganz so schlimm wären wie ursprünglich
       angenommen.
       
       Genozid hin oder her - eines ist nun immerhin amtlich: Sudans Präsident
       trägt die persönliche Verantwortung für das, was im Namen des Staates in
       Darfur an Verbrechen geschehen ist, und er ist dafür in vollem Ausmaß zur
       Verantwortung zu ziehen. Das ist wesentlich auch für die politische
       Diskussion innerhalb Sudans, die jetzt unweigerlich folgen wird. Denn damit
       ist der Ball nach Khartum zurückgespielt.
       
       Die politische Klasse des Sudan muss sich nun überlegen, ob sie sich aus
       falsch verstandener nationaler Solidarität über Jahre hinaus an einen
       international als Kriegsverbrecher gesuchten Staatschef binden will - oder
       ob sie einen Neuanfang wagt, der eine Bewältigung der Staatskrise in
       Afrikas größtem Flächenstaat möglich macht.
       
       Bald wird gewählt im Sudan, eine Volksabstimmung über die mögliche
       Abspaltung der Südhälfte des Landes steht vor der Tür, und der andauernde
       Konflikt in Darfur ist im Begriff, weitere Landesteile zu destabilisieren.
       Alle seriösen Politiker Sudans müssten nun ein Interesse daran haben, sich
       über eine demokratische Neuordnung ihres Landes Gedanken zu machen, bevor
       es im Innern zerfällt und weltpolitisch weiter ins Abseits gerät. Wenn
       diese Neuordnung gelingt, ist eine Auslieferung Bashirs nach Den Haag nur
       noch eine Formalität.
       
       5 Mar 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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