# taz.de -- Innere Sicherheit (I): Feiern nur mit Pappbechern
       
       > Am Wochenende soll es auf der Reeperbahn und den benachbarten Straßen
       > keine Glasflaschen mehr geben, beschließt der Hamburger Senat. Umgesetzt
       > wird das Verbot durch Großkontrollen.
       
 (IMG) Bild: Sowas will Hamburgs Innensenator nicht mehr sehen: Besucher amüsieren unweit der Reeperbahn - hier noch unter Zuhilfenahme von gefährlichen Glasflaschen
       
       Schwarz-Grün legt den Hamburger Kiez trocken: Der Senat hat am Dienstag
       einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, wonach das Mitführen, der Kauf
       und Verkauf von Glasflaschen im Rotlichtviertel um die Reeperbahn verboten
       wird - zumindest nachts an Wochenenden. "Es ist ein einzigartiges Gesetz",
       sagte Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU), der vom "Spagat" sprach, die
       Gegend sicherer zu machen und gleichzeitig "die Attraktivität der
       Amüsiermeile zu erhalten". Das Gesetz solle nun zügig in Kraft treten: "Die
       warmen Sommernächte stehen bevor."
       
       Mit der Glasflaschenverbotszone erfährt der unter Partygängern beliebteste
       Teil des Stadtteils bereits die vierte Einschränkung durch Polizei und
       Behörden: Das Tragen jeglicher Waffen ist hier bereits rund um die Uhr
       verboten. Auch sind Reeperbahn und umliegende Straßen zur
       "Gefahrengebietszone" erklärt worden und werden seither durch Videokameras
       überwacht. "Das Glasflaschenverbot ist ein Baustein des Gesamtkonzeptes",
       so Ahlhaus.
       
       Nach der Einführung des Waffenverbots registrierte die Polizei immer mehr
       Gewaltdelikte, bei denen Glasflaschen zur Anwendung kamen: 128 Fälle waren
       es laut Polizeidirektor Kuno Lehmann im vergangenen Jahr, bis Mitte Mai
       dieses Jahres kamen weitere 42 Körperverletzungen hinzu. Dabei werde die
       Flasche "meist spontan eingesetzt", so Ahlhaus am Dienstag: "Weil der
       Inhalt bereits im Kopf ist."
       
       Das Verkaufsverbot gilt ab Freitagabend, 22 Uhr, für Flaschen aller Art -
       auch solche, die Softdrinks oder Säfte enthalten. Umgesetzt wird es vom
       Bezirklichen Ordnungsdienst (BOD) und der Polizei, die künftig intensive
       Kontrollen durchführen sollen. "Polizeipräsenz ist ein unverzichtbarer
       Bestandteil des Sicherheitskonzeptes", sagte Ahlhaus: Die Umgebung der
       Reeperbahn, rund ein Quadratkilometer groß, habe bundesweit die höchste
       Polizeidichte.
       
       Treffen BOD oder Polizei künftig Besucher der "sündigen Meile" mit einer
       Glasflasche an, werden sie aufgefordert, die Flasche nebst Inhalt in einem
       Container zu entsorgen. Im Wiederholungsfall sind Bußgelder bis zu 5.000
       Euro möglich. Auch der Kneipenbesucher, der mit der Bierpulle in der Hand
       zum Rauchen vor die Tür geht, muss mit Sanktionen rechnen. Über jemanden,
       der etwa mit einer Flasche Wein im Rucksack erwischt werde, beteuerte
       Polizeidirektor Lehmann, "werden wir nicht wie die Terrier herfallen": Es
       gehe darum, dass die Flasche nicht "griffbereit" sein dürfe. Ausgeklammert
       aus den Maßnahmen bleibt auch die Außengastronomie, so dass Ahlhaus zufolge
       "das gepflegte Glas Bier oder ein Gläschen Wein" möglich blieben. "Wir
       wollen die Glasflasche aus dem Verkehr ziehen", so Ahlhaus, "nicht den
       Alkohol."
       
       Die SPD-Opposition hat bereits Zustimmung signalisiert. Dennoch polterte
       ihr Innenexperte Andreas Dressel, Senator Ahlhaus feiere nun "einen
       Gesetzentwurf, den er jahrelang als unnötig und nicht machbar bezeichnet
       hat".
       
       Die Linkspartei-Innenpolitikerin Christiane Schneider hält "das Verbot für
       unverhältnismäßig. Es liefert einen zusätzlichen Anlass für
       verdachtsunabhängige Kontrollen." Es werde eine Maßnahme in Szene gesetzt,
       die am Ende wenig bringe, so Schneider: Auf der Reeperbahn herrsche eine
       "ungeheuerliche Kontrolldichte", St. Pauli sei längst "ein Gruselkabinett
       der Bürgerrechtsverletzungen".
       
       9 Jun 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai von Appen
       
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