# taz.de -- Kommentar Glasflaschenverbot: Orwell auf der Reeperbahn
       
       > Der Ordnungswahn löst keine Probleme: Wer prügeln will, findet stets auch
       > eine Waffe. Vielleicht würde ein Alkoholverbot helfen - aber das ist
       > sogar dem Innensenator zu heikel.
       
 (IMG) Bild: Eine kleine Schwester der Reeperbahn: die Kieler Bergstraße
       
       Die Große Freiheit ist das nicht gerade, was Besucher der angeblich
       sündigsten Meile der Welt künftig droht: Schweizermesser oder Pfefferspray
       im Rucksack - verboten! Glasflasche in der Hand - weg damit! Und dazu wird
       jeder Schritt dokumentiert von einer der zahlreichen Videokameras - damit
       alle sich ganz sicher amüsieren. Die geile Meile als Bühne Orwellscher
       Überwachungs-Phantasien.
       
       Der Regelungswahn auf der Hamburger Reeperbahn birgt drei Konsequenzen: Wo
       der Einsatz von Messern und Glasflaschen reduziert wird, werden
       Stahlklingen und Flaschenhälse sicher seltener bei spontanen
       Auseinandersetzungen zum Einsatz kommen. Fraglich ist aber, ob der, der
       sich alkoholumnebelt prügeln will, nicht immer die Waffe findet, die er
       braucht - ob Stuhlbein oder Billardkugel.
       
       Zweitens: Ohne konsequente Kontrollen bleibt das Flaschenverbot ein
       handzahmer Tiger. Doch solche Kontrollen binden unendlich viel Personal.
       
       Zum Dritten bergen solche Verbote die Gefahr einer kaum zu kontrollierenden
       Willkür auf Seiten der Polizei: Die Waffen- und Glas-Regelungen sind ein
       hervorragender Vorwand für Personenkontrollen, Durchsuchungen,
       Platzverweise.
       
       Gewalt auf dem Kiez ließe sich - nüchtern betrachtet - durch weniger
       Alkohol verhindern. Vor einem Promille-Verbot aber schreckt selbst der so
       stark sich gebende Innensenator zurück.
       
       9 Jun 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marco Carini
       
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