# taz.de -- Debatte über Gewaltprävention: Neue Sperrstunde in Kiel?
> Um gegen Gewaltdelikte auf der Kieler Partymeile Bergstraße vorzugehen,
> prüfen Polizei und Stadt Sperrzeiten sowie ein Glasverbot nach Vorbild
> der Reeperbahn.
(IMG) Bild: Erregte Gemüter auch anderswo: Demo gegen eine Sperrstunde in Frankfurt am Main.
HAMBURG taz | Die Kieler Bergstraße wird zu einem immer gefährlicheren
Pflaster. Das jedenfalls berichten verschiedene Medien unter Berufung auf
die Kieler Polizei. Von fliegenden Glasflaschen und Gewaltdelikten ist die
Rede. Diskutiert wird nun eine Sperrstunde für Clubs und Diskotheken auf
der Partymeile von vier bis sechs Uhr morgens. Die Polizei wollte sich dazu
der taz gegenüber nicht weiter äußern. „Die Themen Glasverbot und
Sperrstunde befinden sich aktuell noch in der Diskussion zwischen der Stadt
und der Polizeidirektion“, so Matthias Arend von der Kieler Polizei.
„Wir prüfen, ob eine Sperrzeit gewisse Entwicklungen verhindern könnte“,
sagt der Kieler Stadtsprecher Tim Holbein. Im Gaststättengesetz stehe, dass
Wirte „Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sittlichkeit“ sowie „schädliche
Umwelteinwirkungen und Gefahren oder Belästigungen für Bewohner oder die
Allgemeinheit“ abwenden müssten. Man könne den Gaststätten also Auflagen
machen.
Indes ist sich nicht einmal jeder sicher, ob es ein Problem gibt. „Wenn
viele Menschen und Alkohol auf engem Raum zusammenkommen, dann ist Gewalt
nicht immer zu vermeiden“, so der Kreisvorsitzende der FDP Kiel, Sebastian
Blumenthal, „das bedeutet aber noch kein Sicherheitsproblem für die Stadt.“
Die FDP in Kiel halte prinzipiell nichts von Sperrstunden.
Auch Peter Bartsch, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands
Schleswig Holstein, glaubt nicht, dass es gerade in Kiel besondere Probleme
gäbe. Je höher der Alkoholkonsum sei, desto höher die Gefahr von
Straftaten. „Man muss den Menschen selbst freistellen, wie lange sie offen
haben. Alles andere wäre ein Schritt zurück in die Steinzeit.“
Vor Ort zeigt man sich ähnlich skeptisch. „Jede Bahnhofsregion hat
beispielsweise vermehrt Polizeieinsätze. Dagegen ist es hier eher
friedlich“, sagt Henning Puls, Besitzer von drei Clubs auf der Bergstraße.
Laut Kai Hellebrandt, dem das dortige Luna gehört, würde eine Sperrstunde
Probleme verlagern und Clubs in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen.
„Hauptzeit ist bei uns von zwei bis sechs Uhr, da würde fast die Hälfte der
effektiven Zeit für unsere Wochenumsätze wegfallen.“ Beide Clubbesitzer
schlagen präventive Maßnahmen wie stärkere Polizeipräsenz oder ein
Glasflaschenverbot vor.
Letzteres scheint auch rechtlich gesehen einfacher. Flaschen können als
Waffen gesehen und somit laut Stadtsprecher Holbein verboten werden:
„Anderswo soll das ja funktionieren.“ Prominentes Beispiel: die Reeperbahn.
Dort ist seit 2009 am Wochenende zwischen 22 und 6 Uhr Glas verboten. Der
Hamburger Senat zog im Mai eine positive Bilanz. So gebe es im Halbjahr nur
noch 27 statt 34 Gewalttaten mit Glasbehältern an Wochenenden.
Michael Wagner, innenpolitischer Sprecher der SPD in Kiel, bezweifelt, dass
diese Verbote viel verändern. „Wir müssen uns fragen: woher kommen Gewalt
und übermäßiger Alkoholkonsum?“, sagt er. „Es sollte vermieden werden,
jetzt Einzelpunkte herauszugreifen und sich einfache Lösungen zu suchen.“
1 Aug 2012
## AUTOREN
(DIR) Moritz Kohl
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Dieser Text erschien am 1. April 2011 in der taz Berlin. Dem Datum
entsprechend ist die vermeldete Nachricht nicht ganz ernst zu nehmen, um
nicht zu sagen: frei erfunden.
(DIR) Kommentar Glasflaschenverbot: Orwell auf der Reeperbahn
Der Ordnungswahn löst keine Probleme: Wer prügeln will, findet stets auch
eine Waffe. Vielleicht würde ein Alkoholverbot helfen - aber das ist sogar
dem Innensenator zu heikel.