# taz.de -- Kommentar Piratenpartei: Glaubenssache Jörg Tauss
> Der PR-Effekt ist zwiespältig, solange Tauss Engagement gegen Zensur und
> Überwachung als Engagement in eigener Sache verstanden werden könnte.
Dass Jörg Tauss die SPD verlässt und zur Piratenpartei wechseln will, ist
konsequent. Nicht weil die SPD-Fraktion für Internetsperren stimmte und die
Piraten dagegen sind. Dazu hat der Politiker in den Jahren seiner
SPD-Mitgliedschaft zu viele Kröten geschluckt. Doch Tauss hatte zuletzt in
der SPD keine Heimat mehr, er wurde wegen der gegen ihn gerichteten
Kinderpornoermittlungen öffentlich geschnitten und gemobbt.
Ist es aber auch klug von den Piraten, den abtrünnigen SPD-Mann
aufzunehmen? Natürlich bekäme die Partei, die sich für Bürgerrechte und
eine freies Internet einsetzt, durch ihren ersten Abgeordneten einen neuen
Bekanntheitsschub. Andererseits ist der PR-Effekt zwiespältig, solange
Tauss Engagement gegen Zensur und Überwachung als Engagement in eigener
Sache verstanden werden könnte.
Natürlich gilt auch für Tauss die Unschuldsvermutung, solange er nicht
rechtskräftig verurteilt ist. Politisch hilft das aber nicht weiter, denn
die Unschuldsvermutung gilt ja selbst bei einem erdrückenden Verdacht. Die
Piratenpartei muss deshalb überlegen, wie plausibel Tauss Erklärung ist, er
wollte nur die Vertriebswege von Kinderpornografie erforschen und dabei
noch einen Kinderpornoring enttarnen.
Gegen Tauss spricht, dass er keine Mitarbeiter und Freunde in das Vorhaben
eingeweiht hat. So viel Geheimhaltung war unnötig. Andererseits hat Tauss,
obwohl er weiß, wie man anonym und verschlüsselt kommuniziert, so viele
Datenspuren hinterlassen, dass man doch an naiv-unbekümmerte
Privatermittlungen glauben könnte.
Gut möglich, dass auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft keine
Gewissheit bringen. Dann bleibt es auf Dauer eine Glaubenssache, wie man zu
Tauss steht. Die Piraten gehen mit Tauss also ein Risiko ein - ob es ein
Fehler war, wird sich später zeigen.
22 Jun 2009
## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
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