# taz.de -- Anzeige wegen Volksverhetzung: Rüttgers Verbalausfall
> Ein rumänischstämmiger Journalist verklagt NRW-Ministerpräsidenten
> Rüttgers wegen Volksverhetzung. Rüttgers habe "unterstellt, dass alle
> Rumänen faul und dumm sind".
(IMG) Bild: Bleibt unter Druck: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
BERLIN taz | Vlad Georgescu ist empört. "Eine Entschuldigung von Jürgen
Rüttgers reicht nicht aus", sagt der in Bukarest geborene
Wissenschaftsjournalist mit deutschem Pass. "Er unterstellt, dass alle
Rumänen faul und dumm sind." Eine solche "ausländerfeindliche
Verbalattacke" sei inakzeptabel.
Deshalb hat Georgescu, der in Deutschland aufgewachsen ist und hier seit
über 30 Jahren lebt, Strafanzeige wegen Beleidigung und Volksverhetzung
gegen den nordrhein-westfälischen CDU-Ministerpräsidenten erstattet. Von
Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert er, Rüttgers aus der CDU
auszuschließen. "Tut sie es nicht, sitzt sie im gleichen Boot."
Rüttgers hatte in einer Wahlkampfrede in Duisburg am 26. August mit Blick
auf den Umzug des Handyherstellers Nokia von Bochum nach Rumänien gesagt:
"Im Unterschied zu den Arbeitnehmern hier im Ruhrgebiet kommen die in
Rumänien eben nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis
zum Schluss da. Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen, und wissen
nicht, was sie tun." Auch über Chinesen hatte sich der Ministerpräsident
abfällig geäußert.
Ähnliche Aussagen dokumentiert auch ein von der NRW-SPD im Internet
veröffentlichtes Video über eine Rüttgers-Wahlkampfrede am 28. August in
Münster. Laut den Westfälischen Nachrichten hat der CDU-Politiker die
abfälligen Sätze über Rumänen auch in Dülmen und Bonn wiederholt. Sie
scheinen also fester Bestandteil seiner Wahlkampfreden gewesen zu sein.
Rüttgers hatte sich nach massiver Kritik am Wochenende für seine
umstrittenen Aussagen entschuldigt.
Georgescu reicht das nicht. Aus seiner Sicht haben solche Äußerungen
Kalkül: "Rüttgers versucht damit gezielt, rechte Klientel in NRW zu
bedienen, und hofft, dass er damit wieder durchkommt." Schon bei der
Landtagswahl im Jahr 2000 hatte der Slogan "Kinder statt Inder" Rüttgers
den Vorwurf eingebracht, er arbeite im Wahlkampf mit rassistischen
Ressentiments.
Besonders regt es Georgescu auf, dass sich NRWs Integrationsminister Armin
Laschet (CDU) vor seinen Ministerpräsidenten stellt. Laschet hatte den
Rassismusvorwurf gegen Rüttgers als "absurd" zurückgewiesen: "Wer Jürgen
Rüttgers Rassismus vorwirft, vergiftet das Klima für Integration und
banalisiert wirklichen Rassismus." Georgescu dagegen meint, dass Rüttgers
"Millionen von Menschen, die als deutsche Staatsbürger zum Gemeinwohl
beitragen, aber ihre Wurzeln im Ausland haben" beleidige. Er rief alle
Migranten zum Boykott der CDU bei der kommenden Bundestagswahl auf.
Das Düsseldorfer Innenministerium bestätigte, dass eine entsprechende
Anzeige eingegangen ist. Die Staatsanwaltschaft Duisburg werde nun "die
strafrechtliche Relevanz der Vorwürfe" bewerten. SPD und Grüne kündigten in
Düsseldorf an, die Affäre am Mittwoch auf die Tagesordnung des Landtags zu
bringen.
8 Sep 2009
## AUTOREN
(DIR) Sabine am Orde
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