# taz.de -- Zensur-Vorwurf: Das Wulfekuhl-Tribunal
> Bundeswehrkritische Veranstaltungen hat die Landeszentrale für politische
> Bildung aus einem Programm sortiert: Ein Podium der
> Georg-Elser-Initiative formuliert deshalb harsche Kritik an deren Leiter
(IMG) Bild: Angriff oder nicht - auch der friedensstiftende Bundeswehreinsatz in Afghanistan fordert Opfer
Viel diskutiert wurde nicht, Redner und ZuhörerInnen waren sich bis auf
Nuancen einig: Die Bremer Landeszentrale für politische Bildung hat
"politische Zensur und präventive Gesinnungskontrolle geübt, da gibt es
kein Vertun", so formulierte es der Bremer Pädagogik-Professor Freerk
Huisken.
Rund 70 Menschen waren zu einer von der Georg-Elser Initiative Bremen
(GEIB) organisierten Podiumsdiskussion "Die Schere im Kopf - Zur
Meinungsfreiheit in der politischen Bildung" am Dienstagabend ins DGB-Haus
gekommen. Nicht jedoch der als Diskutant geladene Adressat des
Zensurvorwurfs, der Landeszentralen-Chef Herbert Wulfekuhl. Der erklärte
vorab, er werde der Veranstaltung fernbleiben, weil diese "überflüssig wie
ein Kropf" sei.
Im Juni hatten GEIB und die Landeszentrale die Wanderausstellung "Was
damals Recht war…" in die untere Rathaushalle geholt. Sie handelte von den
rund 30.000 Deserteuren und "Wehrkraftzersetzern", die von Gerichten der
Wehrmacht zum Tode verurteilt wurden. Im Begleitprogramm sprachen auch
Bundeswehroffiziere. Doch Veranstaltungen der Rechtshilfeorganisation Rote
Hilfe zum Anti-Terror-Paragrafen 129 und der Bremer Antikapitalistischen
Linken zu Totalverweigerung durften nicht ins Begleitprogramm.
Landeszentralen-Chef Wulfekuhl waren die Thesen zu radikal. "Wenn Sie die
Bundeswehr als ,Angriffsarmee eines imperialistischen Landes' definieren,
können Sie nicht Partner der staatlichen politischen Bildung sein",
beschied er ihnen. Es gebe "keine Angriffsarmee" und Deutschland sei "kein
imperialistischer Staat".
Von dem Sozialpädagogik-Professor Rudolf Bauer und dem Rechtsanwalt Rolf
Gössner habe Wulfekuhl "Nachweise der Wissenschaftlichkeit" und ein
"Bekenntnis zur herrschenden Meinung" verlangt, klagten die beiden. Ihre
Vorträge durften allerdings stattfinden. "Ich wüsste gern: Hat er den
Bundeswehr-Offizier wohl auch nach seiner Wissenschaftlichkeit gefragt?"
fragte Gössner am Dienstag.
Wulfekuhl habe mit seiner "unklugen und anmaßenden Intervention" die
Definitionsmacht über Wissenschaftlichkeit beansprucht, um missliebige
Inhalte auszusortieren. "Mit demokratischer politischer Bildung hat das
absolut nichts zu tun."
Teile der GEIB hatten sich vorab von der Diskussion distanziert, darunter
auch der Vorsitzende Eike Hemmer. Sie hielten "diese Form der
Auseinandersetzung für unangemessen", erklärte sie vorab. Auf ihr Bitten
sagten auch der Pastor Rolf Saenger-Diestelmeier, Mitglieder der Nordbremer
Initiative gegen den Krieg oder der Bremer Friedensstiftung "die Schwelle"
ihre Teilnahme an der Veranstaltung im DGB-Haus ab.
GEIB-Kassenwart Hans-Dieter Binder zieht dennoch ein positives Fazit des
Abends. "Wir konnten uns sachlich daran abarbeiten." Der Podiumsdiskussion
habe ein Mehrheitsbeschluss der GEIB zu Grunde gelegen. Nun werde man sich
intern auseinandersetzen: "Wir wollen den Streit innerhalb der Initiative."
Ob sich der Riss wieder kitten lasse "wird sich zeigen", so Binder. Er sei
da aber "ganz optimistisch."
In jedem Fall ist die Angelegenheit noch nicht ausgestanden: Der
Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Jost Beilken kündigte im DGB-Haus an, er
werde wegen der Landeszentralen-Intervention eine Große Parlamentarische
Anfrage einreichen: "Wulfekuhl muss gemaßregelt werden."
9 Sep 2009
## AUTOREN
(DIR) Christian Jakob
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