# taz.de -- Kommentar Klimagipfel: Die Spielchen der Chefs
> Weder Obama noch die anderen Staatschefs der Industrienationen haben sich
> in Kopenhagen bewegt. Bisher wurde dort nur gezockt. Das Klima blieb
> dabei auf der Strecke.
(IMG) Bild: Von Obama hatten sich viele Teilnehmer mehr Enthusiasmus erwartet
Der Auftritt von US-Präsident Barack Obama sollte der ersehnte Wendepunkt
des UN-Klimagipfels sein, der Moment, um den wahren Satz zu sagen: "Die
Zeit zum Reden ist vorbei, wir müssen handeln." Leider hielt er sich ebenso
wenig an seinen eigenen Aufruf wie die anderen Staats- und Regierungschefs.
Sie waren gekommen, um zu reden und um zu zocken - bis zum Schluss.
Weder Obama noch die anderen Chefs der Industriestaaten haben sich am
Rednerpult inhaltlich bewegt. Die eigentlichen Verhandlungen liefen hinter
verschlossenen Türen ab, wo, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, an einem
weiteren Papier gearbeitet wurde. Irgendein Ergebnis musste es schließlich
geben. Doch die Substanz, so schien es zu Redaktionsschluss der taz, blieb
bei diesem Spiel auf der Strecke. Zwar werden wohl die Ziele bekräftigt,
doch wie sie erreicht werden sollen – und welche Schlupflöcher es dabei
gibt –, bleibt offen.
Unverändert haben in Kopenhagen alle mit dem Finger auf die anderen
gezeigt. Das Schlimme daran ist, dass alle irgendwie recht haben: Natürlich
macht die EU schon vergleichsweise viel für den Klimaschutz. Natürlich
haben die USA recht, dass auch China in ein Abkommen eingebunden werden
muss. Natürlich dürfen die Entwicklungsländer fordern, dass zunächst die
Industriestaaten ihrer historischen Verantwortung gerecht werden.
Allerdings darf die Konsequenz daraus nicht sein, dass sich niemand mehr
bewegt. UN-Klimasekretär Yvo de Boer hat in diesen Tagen die richtige Frage
gestellt: "Warum tun dann nicht alle ein bisschen mehr?" Die Antwort ist
traurig: Weil es hier nicht nur um Klimaschutz, sondern vielmehr um
Wirtschafts- und Machtfragen ging.
Damit die Weltpolitik nicht erst ihr Pokerface ablegt, wenn der Klimawandel
zu weit vorangeschritten ist, müssen jetzt zumindest die Stimmen der wohl
enttäuschten Zivilgesellschaft so laut bleiben wie in diesen Tagen. Damit
wenigstens national die Ziele von denjenigen eingehalten werden, die ein
Minimum des Notwendigen zugesagt haben.
19 Dec 2009
## AUTOREN
(DIR) Nadine Michel
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