# taz.de -- Merkel auf dem Klimagipfel: Konkurrenz für die Klima-Queen
       
       > Kanzlerin Angela Merkel tritt in Kopenhagen als Vorkämpferin auf. Doch
       > die Alleinherrschaft übers Klima hat sie längst nicht mehr. Zudem sind
       > die Verhandlungen zu festgefahren.
       
 (IMG) Bild: Merkel in einer Pause auf dem Klimagipfel.
       
       KOPENHAGEN taz | Angela Merkel hatte ein doppeltes Problem, als sie am
       Donnerstag aus dem Flugzeug stieg. Gerade weil ihre Regierung mit
       Steuerstreit und Afghanistan-Debatte zuletzt innenpolitisch keine gute
       Figur machte, brauchte sie wenigstens in Kopenhagen einen Erfolg als
       Klimakanzlerin. Andererseits schien gerade das fast ausgeschlossen, weil
       die Verhandlungen bei ihrer Ankunft völlig festgefahren waren.
       
       Die Alleinherrscherin auf der Bühne internationaler Klimaverhandlungen, die
       Merkel noch vor zwei Jahren in Heiligendamm war, ist die deutsche Kanzlerin
       längst nicht mehr. Seit das Thema weltweit ganz oben auf der Agenda steht,
       wollen sich auch andere Politiker wie der Franzose Nicolas Sarkozy oder der
       Brite Gordon Brown an die Spitze der Bewegung setzen.
       
       Zudem ist Merkel in Kopenhagen nicht die Gastgeberin, sondern der dänische
       Premier, der um diese Rolle nicht zu beneiden ist. Gegen den Versuch, rund
       190 Staaten zu einer gemeinsamen Verhandlungsposition zu bringen, waren die
       früheren Treffen der acht führenden Industrienationen ausgesprochen
       übersichtlich. Auch was die Interessenlage betrifft.
       
       Merkel traf gleich nach der Ankunft den Briten Gordon Brown und den
       Brasilianer Luiz Inácio Lula da Silva. Sie eilte zum chinesischen
       Ministerpräsidenten Wen Jiabao, der vom eigenen Hotel aus Hof hielt. Dieser
       Demonstration der eigenen staatlicher Souveränität entsprach auch die
       chinesische Verhandlungslinie: Das Land wollte sich nicht auf
       internationale Kontrollen vereinbarter Klimaziele einlassen.
       
       Zu ernsthaften Verhandlungen kam es erstmals um 23 Uhr in der Nacht auf
       Freitag. Vorher hatte Merkel das Konferenzplenum vor einem Scheitern
       gewarnt, hatte an einem dreistündigen Abendessen auf Einladung der Königin
       teilgenommen. Von Überlegungen, statt des Dinners zu arbeiten, hatte die
       dänische Präsidentschaft wieder Abstand genommen. Immerhin gestattete die
       Sitzordnung Vieraugengespräche von Tisch zu Tisch.
       
       Bis zwei Uhr früh saßen Merkel und Röttgen dann in einer kleinen Runde von
       25 ausgewählten Staats- und Regierungschefs. Anschließend ging es ohne die
       Regierungschefs weiter, Röttgen verhandelte die ganze Nacht bis morgens um
       halb acht. Ein erster Entwurf für eine Abschlusserklärung wurde verworfen.
       "Der Text hat nicht das geleistet, was wir leisten müssen", sagte Röttgen.
       
       Der letzte Tag: Sie sehen alle nicht wirklich frisch aus nach der
       durchwachten Nacht, Röttgen nicht und auch nicht Merkel oder die übrigen
       Mitglieder der Delegation. Nach Tagesanbruch verhandeln die Regierungschefs
       selbst anhand eines neuen Textentwurfs, gehen Zeile für Zeile durch. Solche
       Detailarbeit sei auch für langjährige Regierungschefs eine völlig neue
       Erfahrung gewesen, amüsiert sich Röttgen.
       
       Dann wieder Plenum, US-Präsident Barack Obama spricht, anschließend geht es
       in der Runde der 25 Staats- und Regierungschefs weiter. Bis zum Nachmittag
       gibt es bei keinem einzigen Punkt eine Einigung. Merkel und Röttgen werten
       es schon als Erfolg, dass die politischen Kernstreitpunkte jetzt wenigstens
       klar sind und das Verfahren geregelt abläuft.
       
       Eine Entwarnung kommt um 11.42 Uhr aus Berlin. Der Bundesrat hat soeben dem
       Steuerpaket der Merkel-Regierung zugestimmt. Hier immerhin ist es der
       Bundeskanzlerin gelungen, widerspenstige Regierungschefs mit Finanzzusagen
       zu besänftigen. Auch hier will man allerdings die Einzelheiten, wie beim
       Klima, erst bis zum nächsten Sommer klären.
       
       18 Dec 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralph Bollmann
       
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