# taz.de -- Nigerias Präsident bricht Schweigen: "Ich lebe noch"
       
       > Die Staatskrise in Nigeria hält an. Jetzt hat sich zumindest Staatschef
       > Yar'Adua zu Wort gemeldet und in der BBC seinen angeblichen Tod
       > dementiert. Die Nigerianer beruhigt das nicht.
       
 (IMG) Bild: Nigerias Präsident liegt seit sechs Wochen wegen Herzproblemen in einer Klinik in Saudi-Arabien
       
       ABUJA/BERLIN rtr/taz | Nach sechs Wochen Krankenhausaufenthalt in
       Saudi-Arabien ohne jegliche öffentliche Erklärung hat sich Nigerias kranker
       Präsident Umaru Yar'Adua erstmals zu Wort gemeldet. "Es geht mir besser",
       erklärte er in einem aus seinem Krankenbett geführten dreiminütigen
       Telefoninterview mit dem britischen Rundfunksender BBC: "Ich hoffe, dass es
       sehr bald große Fortschritte geben wird, was es mir möglich machen wird,
       zurück nach Hause zu gehen." Er danke "allen Nigerianern" für ihre Gebete.
       
       Mit dem Interview trat der hörbar geschwächte Yar'Adua, der am 23. November
       wegen akuten Herzbeschwerden nach Saudi-Arabien ausgeflogen war,
       anschwellenden Gerüchten entgegen, wonach er schon längst tot sei. Am
       Montag gab es Berichte, wonach der Präsident am 10. Dezember verstorben
       sei. Das nigerianische Präsidialamt sagte, dies sei "nicht nur falsch,
       sondern erfunden". Sein Sprecher Olusegun Adeniyi erklärte: "Die
       Spekulationen sind falsch. Der Präsident lebt und ihm geht es besser. Er
       ist sehr wohl bei Bewusstsein, er kann sprechen und er hat schon
       gesprochen, zum Beispiel am Telefon."
       
       Besonders überzeugend klang das nicht, und Nigerias Politiker warnen immer
       heftiger vor einer kompletten Lähmung des bevölkerungsreichsten Staates in
       Afrika. Die 36 Provinzgouverneure Nigerias befinden sich in der Hauptstadt
       Abuja in Klausur. Das Repräsentantenhaus, Unterhaus des nigerianischen
       Parlaments, sollte gestern mit einer Sondersitzung beginnen, auf der unter
       anderem über eine Amtsenthebung Yar'Aduas und eine förmliche Übertragung
       des höchsten Staatsamtes an Vizepräsident Goodluck Jonathan beraten werden
       könnte.
       
       Am Dienstag zeichnete sich anhand der neuen Entwicklung eine Verschiebung
       der Sitzung ab. Zugleich beschlossen 58 Angehörige des Senats, Oberhaus des
       Parlaments, dem Senat einen Antrag zur Debatte über Yar'Aduas
       Gesundheitszustand zu unterbreiten. Dies wäre der erste Schritt zu einer
       Amtsenthebung.
       
       Ebenfalls am Dienstag war in Abuja eine Demonstration von Bürgerrechtlern
       geplant, die der Regierung Verfassungsbruch vorwerfen, weil Yar'Adua
       weiterhin Präsident ist, obwohl er sein Amt offenkundig nicht voll ausüben
       kann. Der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, einer
       der Organisatoren der Demonstration, sprach von einem "nationalen
       Ausnahmezustand" und sagte, weitere Proteste seien in ganz Nigeria geplant.
       "Wenn der Präsident eines Landes nicht in der Lage ist, sich um die
       Angelegenheiten des Landes zu kümmern, und man ständig das Volk belügt und
       hinters Licht fühlt, ist das Landesverrat am Volk", sagte Soyinka.
       
       12 Jan 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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