# taz.de -- Portrait Nigerias Präsident: Auf den Dienstweg in den Palast
> Mit Goodluck Jonathan regiert erstmals ein Präsident aus dem Ölgebiet –
> ein Loyalist, kein Rebell. Vermutlich hat er versprochen, bei der
> nächsten Wahl nicht mehr zu kandidieren.
(IMG) Bild: Goodluck Jonathan während einer Veranstaltung im März.
So viel Zurückhaltung ist nicht normal, erst recht nicht in Nigerias
berüchtigter Machtpolitik. Fast 80 Tage hat Vizepräsident Goodluck Jonathan
geduldig gewartet, während sein Chef Umaru YarAdua in einem saudischen
Krankenhaus lag und Nigeria nicht regieren konnte.
Als eine Ministerin im Kabinett erfolglos beantragte, der Vizepräsident
möge doch endlich auch offiziell die Führung übernehmen, riet ihr
ausgerechnet Jonathan selbst, den Dienstweg einzuhalten. Auf dem ist der
52-jährige Sohn eines Bootsbauers jetzt geradewegs in den Präsidentenpalast
marschiert.
Denn zum Schluss waren es die mächtigen Senatoren, die bei Jonathan
vorstellig wurden und den Beschluss zur Machtübertragung in Nigerias
Parlament organisierten. Mehr als alles andere dürfte es seine Loyalität zu
YarAdua sein, die die herrschende Clique aus dem muslimischen Norden zum
Schluss davon überzeugte, die Macht sei auch bei diesem südnigerianischen
Christen gut aufgehoben.
Hinter den Kulissen freilich hatte der gewiefte Strippenzieher bereits
einen Deal ausgehandelt. Vermutlich hat Jonathan versprochen, bei Nigerias
nächsten Wahlen 2011 nicht zu kandidieren und damit den Weg freizumachen
für einen neuen Präsidenten aus dem muslimischen Norden. Wäre YarAdua bis
dahin im Amt geblieben, wäre das schwieriger geworden.
"Jonathan hat bewiesen, dass mit ihm solch ein Gentlemens Agreement machbar
ist", glaubt Monika Umunna von der Heinrich-Böll-Stiftung in Lagos. Sein
Geschick hat Jonathan auch damit bewiesen, dass er das für seine
Putschfreudigkeit bekannte Militär in Schach hielt. "Dass noch Frieden in
Nigeria herrscht, verdanken wir der Tatsache, dass Goodluck Jonathan ein
geduldiger Mann ist", glaubt Hochschulrektor Tersur Aben.
Als erster Staatschef des Vielvölkerstaats entstammt Goodluck Jonathan
einer Ethnie aus dem ölreichen Nigerdelta, der Volksgruppe der Ijaw. Hier
hat er sein Leben verbracht, als Zollbeamter, Zoologe, Vizegouverneur und
Gouverneur. Diesen Posten im Bundesstaat Bayelsa bekam er 2005 nur, weil
sein Chef wegen Geldwäsche in London verhaftet wurde. Zwei Jahre später,
2007, wurde Jonathan von Expräsident Olusegun Obasanjo in die Bundespolitik
berufen, als Nummer zwei des regional, ethnisch und religiösen ausgewogenen
"Tickets" der Regierungspartei PDP (Volksdemokratische Partei) zu den
Präsidentschaftswahlen.
Eine Hausmacht in der PDP hat er nicht. Seine Kritiker werfen ihm
Unerfahrenheit vor. Doch in Nigeria kann es von Vorteil sein, keine
politischen Altlasten mit sich zu führen - jedenfalls dann, wenn Jonathan
es ernst damit meint, das zerrissene Nigeria zu einen.
10 Feb 2010
## AUTOREN
(DIR) Marc Engelhardt
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