# taz.de -- EU setzt Spar-Ultimatum: Griechischer Haushalt unter Aufsicht
> Die EU-Finanzminister verlangen von Griechenland Fortschritte bei der
> Haushaltssanierung innerhalb von vier Wochen. Ansonsten droht Brüssel mit
> weiteren Sparmaßnahmen.
(IMG) Bild: Bei aller Pracht: Athen muss fortan knausern.
Griechenland hat vier Wochen Zeit, die von der EU-Kommission gebilligten
Reformen umzusetzen und seinen Haushalt zu sanieren. Sollte sich am 16.
März abzeichnen, dass Athen seine Neuverschuldung nicht wie angekündigt im
laufenden Jahr um ein Drittel - von 12,7 auf 8,7 Prozent des
Bruttoinlandprodukts - reduzieren kann, muss die Regierung zusätzliche
Maßnahmen mit Brüssel vereinbaren. Denkbar wären weitere Einschnitte im
öffentlichen Dienst oder höhere Konsumsteuern, zum Beispiel auf private
Pkw, wie Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am Montagabend erklärte.
Der deutsche Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen äußerte in Brüssel Zweifel,
dass die beschlossenen Sparanstrengungen ausreichen. "Aus heutiger Sicht
sehen wir Handlungsbedarf für den 16. März." Nötig seien drastische
Ausgabenkürzungen wie in Irland oder Lettland. Irland hat kürzlich die
Gehälter der Staatsbeamten um bis zu 15 Prozent gekürzt. Griechenland hat
die Löhne im öffentlichen Dienst lediglich eingefroren.
Bislang haben die vertrauensbildenden Maßnahmen der Regierung in Athen
keine Wirkung gezeigt. Der Euro hat gegenüber dem Dollar weiter an Wert
verloren. Dennoch schreckten die Finanzminister der Eurozone davor zurück,
dem Land weitere Daumenschrauben anzulegen. Zum einen wollen sie die
Illusion aufrecherhalten, die griechische Regierung habe in Fragen ihres
eigenen Haushalts weiterhin Handlungsspielraum. Zum Zweiten fürchten Länder
wie Portugal, Spanien, Irland oder Italien, deren Haushaltsbilanzen
ebenfalls den Euro unter Druck bringen, sie könnten die nächsten sein, die
sich einem Zwangsdiktat aus Brüssel unterwerfen müssen.
Vor allem aber soll Athen Zeit bekommen, das bereits beschlossene
ehrgeizige Sparprogramm den Bürgern zu erklären und in die Tat umzusetzen.
Der griechische Finanzminister George Papaconstantinou hatte mit der Frage,
die er am Montag in Brüssel stellte, nicht ganz unrecht: "Würde die
Ankündigung weiterer Maßnahmen die Märkte beruhigen? Ganz sicher nicht! In
dieser Situation ist wichtig, dass Griechenland die angekündigten Sparpläne
eisern umsetzt und die anderen Euroländer für uns bürgen."
Ob sie im Ernstfall finanziell einspringen werden, ließen die
Finanzminister offen. Schließlich wollen sie den Druck auf Athen so lange
wie möglich aufrechterhalten. Der neue Währungskommissar Olli Rehn
erinnerte aber daran, dass die Regierungschefs bei ihrem Gipfel vergangenen
Donnerstag eine Sicherheitsgarantie für Griechenland abgegeben hätten. Die
EU-Kommission stehe im Notfall bereit, um die Hilfsmaßnahmen zu
koordinieren.
17 Feb 2010
## AUTOREN
(DIR) Daniela Weingärtner
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Debatte Zorn auf die Griechen: Der verkannte Hellene
Ganz Europa ist über die Griechen erzürnt und übersieht darüber: Niemand
leidet mehr unter dem maroden Staatsapparat als diese selbst.
(DIR) Ein Tag Generalstreik: Griechenland steht still
Alle Flüge von und nach Griechenland wurden gestrichen, Schulen und
Behörden bleiben für einen Tag zu: aus Protest gegen den Sparkurs. Premier
Papandreou erklärt, er habe "Verständnis", nur "kein Geld".
(DIR) Kommentar EU-Ultimatum: Sündenbock Griechenland
Europa hat Griechenland wirtschaftlich ein Ultimatum gestellt. Doch die
Staatsverschuldung Athens ist niedriger als in Italien. Das Land wird
kaputtgespart.