# taz.de -- Kommentar EU-Ultimatum: Sündenbock Griechenland
> Europa hat Griechenland wirtschaftlich ein Ultimatum gestellt. Doch die
> Staatsverschuldung Athens ist niedriger als in Italien. Das Land wird
> kaputtgespart.
Europa, dessen Name griechischen Ursprungs ist, stellt ausgerechnet
Griechenland ein einfallsloses Ultimatum. Um seinen Euro zu retten.
Sündenbock Hellas soll einfach noch mehr sparen.
Dabei drohte seit Anbeginn Euroland von anderen, inneren Widersprüchen
zerrissen zu werden. Bei der Wirtschaftskraft, den Sozialsystemen und
Staatsschulden ziehen sich tiefe Risse durch unseren Kontinent. Die
kulturelle Wiege Europas ist da mehr Opfer als Täter. Nicht allein die
wirtschaftsliberalen Eliten zwischen Korfu und Rhodos wollten eine EU mit
Hartwährung - auf Kosten anderer. Nun sollen Krankenpfleger in Athen,
"kleine" Beamte in Sparta und Schüler in Thessaloniki die Zeche zahlen.
Griechenlands Regierungen haben geschummelt wie andere auch. Mit Hilfe von
globalen Investmentbanken wurden Schulden verschoben wie in Italien und an
der Statistik herumgebastelt wie in Deutschland. Öffentliche Milliarden
lösten sich derweil in Olympiaträumen auf und verrauchten in
allsommerlichen privaten Brandrodungen. Reiche und Konzerne profitierten
wie andernorts von üppigen Prestigeprojekten und "billigen" Arbeitskräften
aus den neuen EU-Ländern. Vor diesem Hintergrund fällt den anderen
EU-Regierungen nichts Besseres ein als Eitelkeiten ("der IWF soll draußen
bleiben"), gnadenlose Sparultimaten und Dramatisierung.
Griechenland dient als Sündenbock für ein angeschlagenes Europa. Die
Staatsverschuldung Athens ist niedriger als in Italien und das aktuelle
Finanzloch ist nicht tiefer als in Spanien oder Irland. Die Folge der
mangelhaften Solidarität in der Europäischen Union ist ein Teufelskreis:
Jeder Kredit, den eine griechische Geschäftsfrau oder eine Gemeinde
aufnimmt, kostet mittlerweile fast fünf Prozentpunkte mehr als in
Nordeuropa. Griechenlands Wirtschaft wird auf diese Weise kaputtgespart.
Gewiss, Griechenland muss raus aus der Schuldenfalle, aber nicht mit
Ultimaten, sondern mit handfesten Hilfen aus Brüssel. Und es muss sich
selbst helfen. Nicht allein mit (haltlosen) Sparappellen, sondern
zusätzlichen Einnahmen aus Luxusmehrwertsteuer, Bekämpfung des
Schwarzgeldes und Steuern für Banken und Reiche. Selbst in der
Steuerfluchtburg Schweiz müssen Wohlhabende fast den doppelten Steuersatz
an Staat und Gesellschaft überweisen wie in Griechenland.
16 Feb 2010
## AUTOREN
(DIR) Hermannus Pfeifer
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