# taz.de -- Ex-Mossad-Agent über Dubai-Mord: "Das ist keine Erfindung des Mossad"
       
       > Der Ex-Mossad-Agent Gad Schimron hält die Exekution von Terroristen nur
       > für bedingt effektiv. Wenn es damit aber gelingt, der Schlange den Kopf
       > abzuschlagen, dann sei das ein Erfolg, meint er.
       
 (IMG) Bild: Drei der verdächtigten Mörder von Dubai, aufgenommen durch eine Überwachungskamera
       
       taz: Gibt es keine andere Möglichkeit, als die Pässe von noch lebenden
       Menschen für so eine Aktion zu missbrauchen? 
       
       Gad Schimron: 2010, wo jeder Flughafenbeamte auf einem Datenlager sitzt,
       das noch nicht einmal einem Edgar Hoover zur Verfügung stand, muss man
       besser werden und sich dem modernen Zeitalter anpassen. Mit gefälschten
       Pässen kommt man heute nicht mehr weit.
       
       Überrascht Sie die internationale Aufregung? 
       
       Ja, sehr, denn wenn die USA eine Drohne schicken, um einen Taliban in
       Afganistan zu ermorden, was im Grunde nichts anderes ist, dann interessiert
       sich kein Mensch dafür.
       
       Wie erklären Sie das? 
       
       "Jews are news", das war immer so, besonders, wenn es um Geheimagenten
       geht. Es gibt nichts, was wir tun und andere nicht. Wenn Israel hinter dem
       Attentat steckt, wie berichtet wird, würde ich vermuten, dass es sich um
       eine Teamarbeit handelt. [Irans Präsident Machmud] Ahmadinedschad und
       [Hamas-Chef in Gaza] Hanijeh haben es geschafft, eine breite internationale
       Koalition gegen sich zu erzeugen. Dazu gehören Saudi-Arabien, Ägypten und
       westliche Staaten. Das Opfer saß vor einigen Jahren in Ägypten im
       Gefängnis.
       
       Israel exekutiert Terroristen, trotzdem geht der Terror weiter. Ist die
       Methode nicht überholt? 
       
       Ich glaube nicht, dass sie sehr effektiv ist, aber wenn es gelingt, der
       Schlange den Kopf abzuschlagen, dann ist das ein Erfolg. Es gab in der
       Vergangenheit Fälle, die sich als sinnvoll herausgestellt haben. Ein
       Beispiel: Fathi Schkaki [Chef des Islamischen Dschihad] in Malta, der
       Berichten zufolge 1995 vom Mossad exekutiert worden sein soll. Sein Tod hat
       den Islamischen Dschihad auf vier bis fünf Jahre lahmgelegt. Aber es gibt
       andere Fälle, die sich rückblickend als kontraproduktiv herausstellten. Die
       Antwort lautet also: Ja und nein. Die Methode ist im Übrigen keine
       Erfindung des Mossad. Man vergisst das, aber Frankreich hat in den
       50er-Jahren während des Algerienkrieges in Europa wenigstens hundert
       Waffenhändler exekutiert. Ob es effektiv ist oder nicht, weiß ich nicht. Es
       ist Teil des Krieges.
       
       Die Debatte dreht sich in Israel nicht um das "Ob", sondern das "Wie".
       Halten Sie es für möglich, dass der Mossad einen so banalen Fehler beging
       und die Kameras nicht beachtete? 
       
       Ich habe eine Theorie gehört, weiß aber nicht, ob sie stimmt. Demnach
       wussten die Agenten von den Kameras und benutzten sie, um zu beweisen, wie
       tief der Mossad in die Hamas eindringen kann und wie sehr sie aus
       israelischer Sicht einem Schweizer Käse gleicht: voller Löcher.
       
       Halten Sie das für möglich? 
       
       Ich glaube eher, dass sie nicht mit der Hartnäckigkeit der Dubaier Polizei
       gerechnet haben, die die Affäre so gründlich untersucht. Übrigens stammt
       ein Teil der Kameras von israelischen Firmen. Aber das ist nur ein Absurdum
       am Rande. Es ist sicher, dass sie [der Mossad] mit einer derartigen
       Bloßstellung nicht gerechnet haben. Und sie haben nicht gedacht, dass es so
       einen Lärm auslösen würde. Wir wissen schließlich alle, dass Mabhuh nicht
       als Vertreter des palästinensischen Erziehungssystems in Dubai unterwegs
       war und den Auftrag hatte, neue Computer für die Schulen zu besorgen.
       
       Glauben Sie, dass der Mossad bei Meir Dagan in guten Händen ist? 
       
       Seit Dagan Chef ist, gab es, den Berichten zufolge, große Erfolge. Aber
       seine Amtszeit läuft in diesem Jahr aus. Acht Jahre sind für so einen
       Posten schon zu lang.
       
       26 Feb 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Knaul
       
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