# taz.de -- NRW-Grüne streiten über Koalitionen: Priggens Gang nach Canossa
> NRW-Fraktionsvize Reiner Priggen erteilte Rot-Rot-Grün öffentlich eine
> Absage - und muss widerrufen. Denn die linke Grünen-Basis ist über den
> "Ausverkauf grüner Inhalte" empört.
(IMG) Bild: Reiner Priggen beim Landesparteitag der Grünen in Hamm 2009.
Bei den Grünen in Nordrhein-Westfalen eskaliert der Streit um mögliche
Regierungsbündnisse nach der Landtagswahl im Mai. Jetzt hat der linke
Parteiflügel den Wortführer der Realo-Fraktion im Düsseldorfer Landtag,
Reiner Priggen, gezwungen, sich zumindest formell zur Möglichkeit einer
Koalition mit SPD und Linkspartei zu bekennen.
Dabei hatte der Fraktionsvize zu Beginn der Woche vor Journalisten ein
rot-rot-grünes Bündnis faktisch ausgeschlossen - und damit erstmals
offiziell als Zitat freigegeben, was führende Vertreter der grünen
Landtagsfraktion schon seit Monaten hinter vorgehaltener Hand sagen: Eine
mit der Linkspartei getragene NRW-Landesregierung sei undenkbar. "Mit denen
kann man nicht regieren", sagte Priggen. "Und die können es auch nicht."
Sollte es für die schwarz-gelbe Regierungskoalition des amtierenden
CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers nicht mehr reichen, bliebe nur ein
schwarz-grünes Bündnis oder eine große Koalition, räsonnierte der Realo.
Gleichzeitig forderte Priggen die SPD auf, der Linken Stimmen abzujagen und
sie so aus dem Landtag herauszuhalten - denn in einem
Fünf-Parteien-Parlament habe Rot-Grün allein keine Chance auf eine
tragfähige Mehrheit.
Doch nun musste Priggen widerrufen. "Wir schließen eine Koalition mit der
Linken nicht aus", heißt es jetzt in einer Erklärung, die Priggen gemeinsam
mit der zum linken Parteiflügel zählenden grünen Landeschefin Daniela
Schneckenburger verfasst hat. Zwar sei ein Zweierbündnis mit der SPD die
erste Wahl der Grünen, doch könne die Frage, ob die Linke in NRW
"regierungsfähig und regierungswillig" sei, durchaus in
Koalitionsverhandlungen geklärt werden.
Priggens Widerruf war ein Aufschrei der linken Parteibasis vorausgegangen.
Besonders die Ankündigung des Fraktionsvizes, bei möglichen Sondierungen
mit der CDU keine Maximalforderungen erheben zu wollen, hatte für Aufregung
gesorgt.
Erste grüne Kreisverbandsvorsitzende drohen bereits mit Parteiaustritt, vom
"Ausverkauf grüner Inhalte" sprechen Parteilinke wie der Gelsenkirchener
Robert Zion. "Wenn die Fraktionsführung will, dass die Grünen konservativ
werden, muss sie das auf einem Parteitag beantragen und nicht durch die
Hintertür durchsetzen", so Zion zur taz. Zu möglichen Bündnissen habe der
Essener Landesparteitag "klare Beschlüsse" gefasst - ausgeschlossen ist
danach nur eine Jamaika-Koalition mit CDU und FDP.
18 Mar 2010
## AUTOREN
(DIR) Andreas Wyputta
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