# taz.de -- Ehegattennachzug scheitert: Sprachtests verhindern Familienleben
       
       > Ein gutes Drittel aller Teilnehmer besteht den für den Ehegattennachzug
       > erforderlichen Sprachtest nicht - und muss weiter im Ausland bleiben. Das
       > sei familienfeindlich, meinen Linke und Grüne.
       
 (IMG) Bild: Ehepartner aus Nicht-EU-Staaten dürfen nur nach Deutschland nachziehen, wenn sie einfache Deutschkenntnisse nachweisen können
       
       BERLIN tazAls Sina West nach ihrem Abitur in einem Kinderheim in Kenia
       arbeitete, verliebte sie sich in einen Kollegen. Nach ihrer Rückkehr führte
       das Paar erst eine Fernbeziehung, dann heiratete es und wollte gemeinsam in
       Deutschland leben. Doch kurz zuvor hatte die große Koalition das
       Zuwanderungsgesetz verschärft: Ehepartner aus Nicht-EU-Staaten dürfen nun
       nur nach Deutschland nachziehen, wenn sie einfache Deutschkenntnisse
       nachweisen können.
       
       Teddy West zog ins 500 Kilometer entfernte Nairobi, um am dortigen
       Goethe-Institut einen Deutschkurs zu belegen. Dann gab es Unruhen, das
       Institut machte vorübergehend zu, West wurde verhaftet und kam wieder frei.
       Schließlich konnte er den Sprachtest absolvieren. "Aber er fiel durch",
       sagt Sina West. "Von den 92 Leuten haben nur 2 bestanden."
       
       Teddy West ist kein Einzelfall. Ein gutes Drittel aller Teilnehmer fällt
       durch den Test. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine
       Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der taz vorliegt. Der Anteil
       derer, die durch die Prüfung fallen, stieg im Jahr 2009 mit 36 Prozent im
       Vergleich zum Vorjahr sogar noch leicht an. Prüflinge, die zuvor keinen
       Sprachkurs an einem Goethe-Institut belegen, bestehen den Test sogar zu 40
       Prozent nicht. Im Durchschnitt macht nur jeder fünfte Prüfling zuvor einen
       solchen Kurs.
       
       Das zeigt aus Sicht der Linken, dass die derzeitige Praxis das Grundrecht
       auf Familienzusammenleben verletzt. Die Eheleute müssen zwangsläufig
       getrennt leben, solange kein Deutschzertifikat vorliegt. "Diese
       Einschränkung der Familienzusammenführung muss beendet werden", fordert die
       migrationspolitische Sprecherin, Sevim Dagdelen.
       
       Ähnlich sehen es auch die Grünen. "Das ist eine integrations- und
       familienfeindliche Regelung", sagt der stellvertretende
       Fraktionsvorsitzende Josef Winkler und verweist darauf, dass die ehemalige
       Bundesregierung mit der Gesetzesverschärfung Zwangsheiraten verhindern und
       Integration fördern wollte. "Belegt ist das bislang nicht." Sicher aber
       habe die Regelung "viele tragische Schicksale" produziert.
       
       Teddy West hatte kurz nach dem Sprachtest einen schweren Autounfall. Seine
       Frau zog zu ihm nach Kenia - und wurde schwanger. Das änderte die
       Rechtslage. Als Vater eines deutschen Kindes brauchte West keine
       Deutschkenntnisse nachweisen. Inzwischen lebt die Familie hier. "Obwohl wir
       das Gefühl hatten", sagt Sina West, "wir sind nicht erwünscht."
       
       24 Mar 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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