# taz.de -- Regionalwahlen in Italien: Berlusconis Partei droht Niederlage
> Bei den Regionalwahlen wird der Regierungschef wohl nicht über die Linke
> triumphieren. Sein Plan, durch eine Verfassungsänderung seine Macht zu
> festigen, wäre dann gescheitert.
(IMG) Bild: Der Protest gegen Berlusconi formiert sich auch auf der Straße, wie hier in Rom
ROM taz | Am Sonntag und Montag werden in 13 der 20 italienischen Regionen
die Parlamente und Regionalpräsidenten gewählt. Das Votum - gut 40
Millionen Italiener sind zu ihm aufgerufen - wird damit zum wichtigsten
Test für die Regierung Silvio Berlusconis bis zur nächsten nationalen Wahl
2013.
Noch vor wenigen Monaten hatte Berlusconi davon geträumt, nach der
Parlaments- 2008 und der Europaparlamentswahl 2009 nun auch in den Regionen
die demoralisierte Linke zu schlagen. Dann, so das Kalkül des
Ministerpräsidenten, hätte er die nächsten drei Jahre nutzen können, um per
Justizreform die lästigen Staatsanwälte endlich seiner Kontrolle zu
unterwerfen, per Verfassungsreform ein Präsidialsystem einzuführen - und
sich schließlich im Jahr 2013 zum Staatspräsidenten wählen zu lassen.
Für Berlusconi waren die Voraussetzungen schon deshalb sehr gut, weil
bisher 11 der 13 Regionen von der Linken regiert werden. Die zwei Regionen
dagegen, in denen die Rechte an der Macht ist - die Lombardei und Venetien
-, sind für die Linke schier uneinnehmbar. Und noch im Januar sah es so
aus, als könne Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" im Verein mit der
Lega Nord das Piemont sowie Ligurien dazugewinnen, dazu in Mittel- und
Süditalien Latium, Kampanien, Kalabrien, Apulien.
Doch angesichts der neuesten Korruptionsskandale um den Zivilschutz,
angesichts des Chaos um die Berlusconi-Liste in Latium - sie wurde wegen
[1][verspäteter Einreichung der Unterlagen ausgeschlossen] -, angesichts
auch des Skandals um Berlusconis Versuche, [2][kritische Journalisten aus
dem Staatssender RAI zu kegeln], hat sich das Blatt in den letzten Wochen
gewendet.
Nunmehr erscheint es plötzlich möglich, dass die Wahl zur moralischen
Niederlage des Regierungschefs wird. Selbst wenn ihm die Eroberung der zwei
süditalienischen Regionen Kampanien und Kalabrien gelänge, wäre von dem
ursprünglich anvisierten Erdrutschsieg wenig übrig. Berlusconi fürchtet
zudem, dass in den Regionen des Nordens die Lega Nord zur stärksten
politischen Kraft wird und sein "Volk der Freiheit" auf den zweiten Platz
verweist.
Damit wären schwere Konflikte in seiner erst 2008 gegründeten Rechtspartei
kaum noch zu verhindern. Denn dort bereitet der Präsident des
Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, schon den Zusammenstoß mit Berlusconi
vor. Fini führte seine postfaschistische Alleanza Nazionale vor knapp zwei
Jahren in die von Berlusconi geleitete rechte Sammelpartei. Seitdem jedoch
lässt Fini keine Gelegenheit aus, um auf Distanz zu dem polarisierenden
Kurs des populistischen Regierungschefs zu gehen.
Ein geschwächter Berlusconi würde deshalb kaum die nötige Unterstützung für
die von ihm anvisierten Reformen gewinnen. Womöglich steht gar die Existenz
seiner rechten Sammelpartei auf dem Spiel. Politische Beobachter in Rom
schließen nicht aus, dass im Falle einer Niederlage die Fini nahestehenden
Parlamentarier in Abgeordnetenhaus und Senat die Fraktion des "Volks der
Freiheit" verlassen.
26 Mar 2010
## LINKS
(DIR) [1] /1/politik/europa/artikel/1/berlusconis-partei-kommt-zu-spaet/
(DIR) [2] /1/politik/europa/artikel/1/ein-stueck-aus-dem-tollhaus/
## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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