# taz.de -- Steuermodell der Liberalen: FDP verwöhnt Gutverdienende
> Ein Single mit einem Einkommen von über 54.000 Euro spart durch den
> Stufentarif 1.500 Euro, ein Niedrigverdiener 150. Ausgerechnet mittlere
> Einkommen profitieren kaum.
(IMG) Bild: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP, l) beim Auftakt der Kampagne "Konjunktur on Tour"
BERLIN taz | Die FDP will die Steuerlast der Mittelschicht senken. So steht
es in ihrem neuen Steuerkonzept, das behauptet: "Am stärksten werden die
mittleren Einkommen entlastet." Diese Aussage ist falsch. Der Bund der
Steuerzahler hat das FDP-Konzept durchgerechnet, und aus den Zahlen lässt
sich herauslesen: Ausgerechnet viele Normalverdiener profitieren am
wenigsten.
Konkret: Die FDP will die bisherige Progression auf ein Stufenmodell
umstellen. Die ersten 8.004 Euro des zu versteuernden Einkommens sind
steuerfrei. Danach gilt bis zu einer Schwelle von 12.500 Euro ein
Steuersatz von 14 Prozent. Bis 35.000 Euro sind es dann 25 Prozent und bis
53.000 Euro 35 Prozent. Danach gilt weiter der bisherige Spitzensteuersatz
von 42 Prozent, bis ab 250.731 Euro die Reichensteuer von 45 Prozent
einsetzt. Diese Steuerreform soll 16 Milliarden kosten und spätestens ab
2012 gelten.
Das bedeutet für die einzelnen Einkommensgruppen: Wer als Single ein
Jahreseinkommen zwischen 16.000 und 28.000 Euro versteuern muss, wird nur
um 7,29 bis 9,99 Prozent entlastet. Damit steht er sich schlechter als ein
Besserverdienender mit 54.000 Euro im Jahr, der seine Steuerlast um 10,57
Prozent drücken könnte. Diese Verzerrungen entstehen durch den neuen
Stufentarif. Freuen könnten sich auch die Geringverdiener, von denen einige
Einkommensgruppen sogar knapp 21 Prozent an Steuern sparen würden. Man muss
sich die Kurve der prozentualen Steuerentlastung also wie ein Seil
vorstellen, das nach unten durchhängt: An den Rändern ist die Entlastung
höher als ausgerechnet in der Mitte.
Auch die FDP findet "diese Welle nicht optimal". Aber das sei eben der
Effekt des neuen Stufentarifs, auf den die Liberalen nicht verzichten
wollen: "Der Stufentarif ist für die Bürger viel verständlicher", erklärt
das Büro des FDP-Finanzexperten Hermann Otto Solms.
Auch schwierig: Relative Prozentangaben verraten noch nicht, wie viel die
einzelnen Steuerzahler absolut sparen. Da zeigt sich dann, dass die
Spitzenverdiener am meisten profitieren. Wer als Single mehr als 54.000
Euro im Jahr versteuern muss, bekäme 1.534 Euro geschenkt. Dieser Betrag
gilt dann auch für Millionäre. Umgekehrt bleibt bei den Geringverdienern
nur wenig hängen: Wer als Single 12.000 Euro im Jahr versteuern muss, würde
nur 146 Euro erhalten. Es klingt zwar bombastisch, dass Geringverdiener
knapp 21 Prozent an Abzügen sparen würden - aber faktisch zahlen sie
sowieso schon so wenig Steuern, dass die Entlastung kaum noch auffällt.
Die FDP hat bisher eher vage ausgeführt, wie sie ihre Steuerreform
finanzieren will. Zunächst klingt ihr Antrag sehr markig. Man wolle "alle
Ausnahmen" von der Steuerpflicht beseitigen. Doch wenig später ist zu
lesen, dass bei haushaltsnahen Handwerksleistungen noch mehr von der Steuer
abgezogen werden soll. Offenbar wollen die Liberalen ihre Klientel schonen
- zu der überproportional viele Handwerker und Eigenheimbesitzer zählen
dürften.
14 Apr 2010
## AUTOREN
(DIR) Ulrike Herrmann
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