# taz.de -- Kommentar Steuerschätzung: Alles. Nichts.
> Die Steuerausfälle, die nun angeblich den Finanzminister überraschen, hat
> die schwarz-gelbe Koalition selbst beschlossen - mit den Steuernachlässen
> für Firmen und Hotels
Es ist bitter, wie banal das politische Geschäft manchmal sein kann, und es
erstaunt, wie weit man in der Politik mit durchschaubaren Notlügen
bisweilen kommt. Zur Erinnerung: Womit hat uns das schwarz-gelbe Kabinett
ein halbes Jahr lang unterhalten? Richtig, mit Streitereien über die
Steuerpolitik. Womit haben die Akteure gerechtfertigt, dass sie so lange
nichts entscheiden? Mit dem Warten auf die Steuerschätzung. Jetzt sind die
Zahlen da, und was ist daran neu?
Nichts.
Die Ausfälle, von denen sich der Finanzminister jetzt so überrascht zeigt,
hat die Koalition selbst beschlossen - mit den Steuernachlässen für
Familien, Firmen und Hotels. Ansonsten sind die Zahlen nahezu identisch mit
der Schätzung aus dem Vorjahr, die als Grundlage für die schwarz-gelbe
Steuerpolitik angeblich nicht taugte. Und was wird jetzt aus der
Ankündigung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers, bis zur Landtagswahl am Sonntag werde Klarheit herrschen über den
künftigen Steuertarif?
Nichts.
Bis zum Wahltag bleibt es beim schwarz-gelben Duell. Auf der einen Seite
die Sphinx Wolfgang Schäuble, die sich in Andeutungen und Sticheleien
ergeht. Auf der anderen Seite die FDP, die für die Bundesrepublik nach wie
vor das griechische Modell favorisiert: ein laxes Steuersystem, das sich
angeblich selbst finanziert - und am Ende in den Staatsbankrott mündet. Die
europaweite Schuldenkrise hat die Verhandlungsposition der FDP jedenfalls
nicht verbessert, durch ihr monatelanges Taktieren wird sie in NRW nichts
gewinnen. Und was spricht dagegen, dass es nach der Düsseldorfer
Landtagswahl substanzielle Steuersenkungen geben wird?
Alles.
6 May 2010
## AUTOREN
(DIR) Ralph Bollmann
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