# taz.de -- Koalition in den Niederlanden: Wilders wird nicht regieren
> Die niederländischen Christdemokraten weigerten sich, mit den
> Rechtspopulisten zu verhandeln. Nun verhandeln die zwei liberalen
> Parteien, Grüne und Sozialdemokraten.
(IMG) Bild: Geert Wilders am 9. Juni 2010.
"Nicht machbar" – mit diesem Fazit von Uri Rosenthal, dem von Königin
Beatrix angestellten Vermittler in Sachen Regierungsbildung, endete am
Donnerstag eine Woche der Spekulationen über eine Rechts- Koalition in Den
Haag. Die Parlamentswahlen der Vorwoche hatten einem Bündnis aus der
rechtsliberalen Wahlsiegerin VVD, der islamfeindlichen Partij voor de
Vrijheid (PVV) sowie dem christdemokratischen CDA eine hauchdünne Mehrheit
verschafft. VVD- Chef Mark Rutte sprach sich im Anschluss für diese
Konstellation aus. Der CDA weigerte sich jedoch, die Verhandlungen auf zu
nehmen.
Maxime Verhagen, Fraktionsvorsitzender des CDA, sagte, VVD und PVV müssten
sich erst über die Differenzen ihrer Programme einigen. Verhagen nannte vor
allem Haushaltskürzungen, die von der PVV geforderte Aufnahm des ethnisches
Hintergrunds in Bevölkerungsregister und die "Kopftuchsteuer". Letztere
Forderung hat die PVV allerdingst längst widerrufen. Die Weigerung der CDA
ist vor allem der eigenen Basis geschuldet, die über eine Koalition mit der
PVV gespalten ist. In den vergangenen Tagen hatten sich auch immer mehr
prominente Christdemokraten dagegen ausgesprochen.
Der PVV- Vorsitzende Geert Wilders warf den Christdemokraten vor, sie
hätten "einfach den Stecker heraus gezogen". Damit seien die Bedingungen
für ein rechtes Kabinett "sehr schwierig, wenn nicht unmöglich" geworden.
Ab Freitag sollen nun Alternativen untersucht werden. Erste Option ist eine
Regierung aus VVD, Sozialdemokraten, der linksliberalen D66 sowie
GroenLinks.
Kein Geheimnis ist jedoch, dass VVD- Chef Rutte einer Koalition mit der
PvdA nicht sonderlich positiv gegenüber steht. Während die Rechtsliberalen
eiserne Haushaltsdisziplin und Einschnitte propagieren, wollen die
Sozialdemokraten just die Kaufkraft stärken. VVD, PvdA und D66 regierten
bereits zwischen 1994 und 2002. Für GroenLinks wäre es die erste
Regierungsteilnahme in Den Haag.
Sollte auch diese Option scheitern, bleiben nicht mehr viele Alternativen.
Am wahrscheinlichsten wäre in diesem Fall ein Bündnis der drei
VolksparteienVVD, PvdA und CDA. Eine Umfrage der TV- Nachrichtensendung
EenVandaag ergab am Donnerstag, dass Mitglieder von Rechtsliberalen und
Christdemokraten diese Option ohnehin bevorzugen.
18 Jun 2010
## AUTOREN
(DIR) Tobias Müller
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Zersplitterte Niederlande: Wahlsieg mit einem Fünftel der Sitze
Mit gerade mal 31 von 150 Sitzen ist der Rechtsliberale Rutte Wahlsieger.
Der christdemokratische Premier Balkenende verlor jeden zweiten Sitz.
Rechtspopulisten unter Wilders nun dritte Kraft.
(DIR) Wahlen in den Niederlanden: Der charmante Junggeselle
Mark Rutte hat Aussichten auf das Amt des Premiers. Still hat sich der
45-jährige an die Spitze der Rechtsliberalen geschoben. Er kann sich
Koalitionen mit allen Parteien vorstellen.
(DIR) Parlamentswahlen in den Niederlanden: Sparen statt Integration
Die Krise prägt den niederländischen Wahlkampf. Ein neues Kabinett unter
Premier Balkenende ist unwahrscheinlich. Rechtsliberale und
Sozialdemokraten liegen in den Umfragen vorne.