# taz.de -- Gleichberechtigung in Spitzenpositionen: Mehr Chefinnen nur durch Zwang
       
       > Sollen mehr Frauen ins Topmanagement, muss dies per Gesetz vorgeschrieben
       > werden. Das zeigen die Erfahrungen in Norwegen. Nur: CDU-Ministerin
       > Schröder zögert.
       
 (IMG) Bild: Konnte sich bisher nicht zu einer Frauenquote fürs Spitzenmanagement durchringen: Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU).
       
       BERLIN taz | Seit die Deutsche Telekom sich im Frühjahr dieses Jahres eine
       30-Prozent-Frauenquote in ihren Topjobs verordnete, verstummt die Debatte
       nicht mehr: Studien zeigen den größeren Erfolg von gemischten
       Führungsteams. Andere weisen nach, wie beschränkt Topmanager ihren
       Nachwuchs auswählen - und weibliche Talente übersehen. Und: Immer mehr
       Länder setzen auf verbindliche Ziele bei der Frauenförderung in der
       Wirtschaft. Montagabend hat die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Studie
       veröffentlicht, in der Bilanz gezogen wird über vier Jahre Frauenquote in
       Norwegen, dem ersten Land, dass sich eine solche Regelung gab. Fazit: Eine
       Quote wirkt wie ein Turbo.
       
       2006 hat Norwegen eine verbindliche 40-Prozent-Quote für Verwaltungsräte
       von Aktiengesellschaften eingeführt. Firmen, die die Quote nicht erfüllen,
       können aufgelöst werden. Die Quote konnte bis 2008 problemlos erfüllt
       werden. Und: Die QuotengegnerInnen sind mittlerweile verstummt. Keine ihrer
       Befürchtungen bestätigte sich. Es werden keine Klagen über die Arbeit der
       Verwaltungsräte laut. Es verteilen sich auch nicht nur wenige Frauen auf
       zahllose Verwaltungsräte: Männer haben mehr Posten auf einmal in
       verschiedenen Unternehmensgremien inne als Frauen. Die Qualifikation der
       Aufsichtsräte hat ebenfalls nicht gelitten: 36 Prozent der berufenen Frauen
       haben ein Universitätsstudium hinter sich, während dies nur auf 22 Prozent
       der Männer zutrifft. Männer rücken jedoch öfter von der
       Geschäftsführerposition in den Verwaltungsrat, Frauen eher von der
       Abteilungsleiterebene.
       
       Die Quote wirkt, schließen die Autorinnen der Studie. Zunächst gab es
       keinen Zwang zur Quote, erst 2006 hat die norwegische Regierung strikte
       Sanktionen beschlossen. Stieg die Zahl der Frauen in den Gremien bis 2006
       nur auf moderate 16 Prozent, so sorgte der Zwang für die volle Erfüllung
       innerhalb von zwei Jahren. Die Autorinnen empfehlen das Instrument
       nachdrücklich.
       
       Spanien, die Niederlande, Frankreich und Schweden sind dem norwegischen
       Beispiel mittlerweile gefolgt. Derweil bleibt die deutsche Regierung
       zögerlich. Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) möchte auf der
       freiwilligen Ebene bleiben: Die Unternehmen sollen sich selbst Ziele zur
       Frauenförderung setzen und lediglich gesetzlich gezwungen werden, darüber
       zu berichten.
       
       Ähnliches sieht die aktuelle Fassung des Corporate Governance Kodex für die
       börsennotierten Unternehmen vor. Jedoch nutzen sowohl Schröder als auch die
       für den Kodex zuständige Justizministerin Sabine
       Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) die Quote als Drohmittel: "Wie ein
       Damoklesschwert" hänge diese über den Unternehmen, meint Schröder. Und
       Leutheusser-Schnarrenberger menetekelte kürzlich vor Wirtschaftsvertretern:
       "Eine Quote wäre rechtlich möglich."
       
       Druck kommt nun nicht nur von der Opposition und Frauenbündnissen, die die
       Quote schon länger fordern. Mittlerweile wollen sämtlich CDU-Frauengremien
       die strikte Quotenregelung. Auch die Länder sind mit dem Status quo
       unzufrieden: Die Länderjustizminister haben Ende Juni beschlossen, eine
       Quote von zunächst 20 Prozent prüfen zu lassen, die später auf 40 Prozent
       steigen sollte. Diese Prüfung, so hieß es, könne durchaus in einer
       Bundesratsinitiative enden.
       
       6 Jul 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heide Oestreich
       
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