# taz.de -- Entwicklungshilfe: Personalrat kritisiert Niebel
       
       > In einem internen Schreiben bemängelt die Mitarbeitendenvertretung, dass
       > lukrative Ministeriumsposten trotz mehrfacher Missbilligung weiter an
       > Parteifreunde vergeben werden.
       
 (IMG) Bild: Dirk Niebel am 7.Juli im Bundeskabinett.
       
       BERLIN taz | Der Personalrat im Entwicklungsministerium hat die
       Einstellungspolitik von Minister Dirk Niebel (FDP) erneut scharf
       kritisiert, weil dieser etliche Parteifreunde im Ministerium untergebracht
       hat. In einem internen Schreiben vom 21. Juni, das der taz vorliegt,
       bemängelt der Rat, dass die "handverlesene externe Besetzung wichtiger
       Stellen" ungebremst weitergehe.
       
       Bereits Anfang Januar hatte der Rat Niebel ermahnt, sich an fachlichen
       Kriterien zu orientieren. "Wenige Wochen danach müssen wir leider
       konstatieren, dass externe Bewerbungen unter Missachtung der dafür
       geltenden Prinzipien erfolgen", schreibt der Personalrat jetzt.
       
       Niebel hatte seit Amtsantritt für Aufsehen gesorgt, weil er als einziger
       Bundesminister die Staatssekretäre, alle Abteilungsleiter und die
       Pressestelle ausgetauscht und mit zum Teil fachlich unerfahrenem Personal
       besetzt hat. Für besonderen Unmut sorgte die Berufung des Oberst a. D.
       Friedel Eggelmeyer zum Abteilungsleiter (taz berichtete).
       
       In dem aktuellen Schreiben betont der Personalrat, er habe "wiederholt
       deutlich gemacht, dass für die Besetzung der Stellen eindeutige Kriterien
       gelten müssen, um sicherzustellen, dass externe Besetzungen dem Grundsatz
       der Besetzung öffentlicher Ämter nach Leistung, Eignung und Befähigung
       entsprechen". Nach einer Versammlung im April hoffte der Rat auf Besserung.
       "Wir haben uns getäuscht", schreiben die Verfasser.
       
       Weiter stellt der Personalrat infrage, ob "die Leitung ernsthaft am Dialog
       interessiert ist" und die Erfahrungen des Hauses zu nutzen bereit sei.
       "Damit der entwicklungspolitische Kompass nicht verloren geht, wird es
       dafür höchste Zeit."
       
       Am Montag kam es bei einer Aussprache von Mitarbeitern und Staatssekretär
       Hans-Jürgen Beerfeltz zu scharfen Auseinandersetzungen. Beerfeltz, selbst
       fachfremd von Niebel ins Ministerium berufen, wehrte sich gegen die Kritik
       des Personalrats. "Hier tanzen die Mitarbeiter auf den Dächern - und sie
       blasen Trübsal", wird Beerfeltz zitiert. Die Stimmung beschrieben
       Teilnehmer stellenweise als gereizt.
       
       7 Jul 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gordon Repinski
       
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