# taz.de -- Kommentar Rat der Vertriebenenstiftung: Empathie über alles
       
       > Die Prämissen der Stiftung nähren den Verdacht, der spezifische Kontext
       > mit der Expansions- und Ausrottungpolitik Nazi-Deutschlands werde
       > ausgeblendet.
       
 (IMG) Bild: Erika Steinbach Ende Januar.
       
       Auf einen Sitz im Rat der "Vertriebenen"-Stiftung hat Erika Steinbach
       verzichtet. Aber damit sind die Probleme keineswegs vom Tisch. "Sichtbares
       Zeichen" (so der Arbeitstitel der Institution) hierfür war die Bestellung
       der Mitglieder des Stiftungsrats letzten Donnerstag durch den Deutschen
       Bundestag. Das Abstimmungsverfahren im Block verwehrte es den Abgeordneten,
       einzelne Kandidaten abzulehnen.
       
       Deshalb kamen zwei der Kandidaten des Bundes der Vertriebenen (BdV) glatt
       durch, die in der Vergangenheit durch geschichtsrevisionistische, den
       Angriffskrieg Nazideutschlands und das System der Zwangsarbeit
       relativierende Äußerungen hervorgetreten waren - nicht gerade förderlich
       für den Stiftungszweck, "im Geist der Versöhnung" zwischen Deutschland und
       seinen ehemaligen Opfern zu wirken. Den Grünen und Linken war übrigens von
       vornherein kein Sitz im Stiftungsrat zugebilligt worden.
       
       Auch die bisherige Geschichte der Ernennungen zur Direktion und zum
       wissenschaftlichen Beirat der Stiftung lässt nichts Gutes erwarten. Der
       Direktor Manfred Kittel hatte behauptet, das Schicksal der Vertriebenen
       wäre jahrzehntelang nur wenig beachtet worden, so dass man von einer
       "zweiten, geistigen Vertreibung der Vertriebenen" sprechen könne. Statt
       genauer Unterscheidungen der einzelnen Vertreibungen im 20. Jahrhundert
       favorisieren die Stiftungsinitiatoren eine gefühlsbetonte Vermengung des
       deutschen Vertriebenenschicksals mit der Geschichte aller Vertreibungsopfer
       des 20. Jahrhunderts. Empathie ist es, was nach Kulturminister Neumann vor
       allem nottut.
       
       Solche Prämissen nähren den Verdacht, dass der spezifische historische
       Kontext mit der Expansions- und Ausrottungspolitik Nazideutschlands
       ausgeblendet wird. Kein Wunder, dass die ausländischen Mitglieder des
       Beirats rasch aufgegeben haben.
       
       9 Jul 2010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Semler
       
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