# taz.de -- Kommentar: Sonst droht Enteignung
> Angesichts der heutigen Bedeutung der Bernauer Straße sind die Interessen
> nach Bewahrung der grünen Plätzchen nur mehr Ausdruck von Egoismus.
(IMG) Bild: Eigentlich soll eine "Erinnerungslandschaft" entlang der 1,3 Kilometer langen Strecke an der Bernauer Straße enstehehen.
Wie Aschenputtel erging es lange Zeit der Gedenkstätte Berliner Mauer.
Gegen die aufgeschminkte Konkurrenz am Checkpoint Charly oder Brandenburger
Tor kam sie schwer an. Doch seit der Eröffnung des ersten Abschnitts der
Gedenkstätte im Frühjahr 2010 beweist der Standort seine Berechtigung in
der Erinnerungslandschaft Berlins. Nicht nur mehr Besucher strömen, auch
das inhaltliche und ästhetische Konzept ist überzeugend. Die Bernauer
Straße ist eine wichtige Reflexionsmeile über unsere Geschichte geworden -
ebenso wie das Holocaustmahnmal.
Dass Anwohner drohen, die Fertigstellung zu unterminieren und damit das
Gedenkkonzept gefährden, sollte den Senat nicht aus der Ruhe bringen. Wer
im ehemaligen Todesstreifen Geranien pflanzt, muss sich nicht wundern, wenn
daraus nichts wird. Angesichts der Bedeutung der Bernauer Straße heute sind
die Interessen an einer Bewahrung der grünen Plätzchen nur mehr Ausdruck
von Egoismus.
Das ist unschön, man sollte nicht so sein. Sonst bräuchte es womöglich noch
das Mittel der Enteignung.
14 Sep 2010
## AUTOREN
(DIR) Rolf Lautenschläger
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