# taz.de -- Erinnerung an der Bernauer Straße: Anwohner mauern bei Gedenkstätte
> Die Gedenkstätte Berliner Mauer soll bis 2012 um weitere 700 Meter
> verlängert werden. Doch Anwohner wollen ihre Grundstücke für das
> Gesamtkonzept nicht hergeben.
(IMG) Bild: Eigentlich soll eine "Erinnerungslandschaft" entlang der 1,3 Kilometer langen Strecke an der Bernauer Straße enstehehen.
Die geplante Fertigstellung der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer
Straße im Jahr 2012 ist gefährdet. "Es gibt Probleme mit dem vorgesehenen
vierten Bauabschnitt "D", von der Brunnenstraße bis zur Schwedter Straße",
sagte Axel Klausmeier, Direktor der Gedenkstätte am Montag im
Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Anwohner und Eigentümer von Flächen
entlang des ehemaligen Mauerstreifens protestierten gegen die Ziele des
Senats, ihre Areale für die Gedenkstätte zu nutzen. So lehnten sie etwa ab,
dass zur Erinnerung an den sogenannten "Postenweg", dieser auf ihren
Grundstücken wiederhergestellt werden soll.
Sollte der Grundstücksstreit nicht bald entschieden werden, befürchtet
Klausmeier, dürfte sich das insgesamt 27 Millionen Euro teure
Gedenkstättenkonzept an der Bernauer Straße erheblich verzögern.
Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) bestätigte den bislang ungelösten
Konflikt vor Ort. Bei 17 Grundstücken entlang des zirka 700 Meter langen
Abschnitts D (siehe Grafik) sei eine Einigung zwischen den Eigentümern und
dem Land Berlin beziehungsweise der Stiftung Berliner Mauer offen. Richtig
"konflikthaft" gehe es bei sieben Flächen zu, so Schmitz. Die Kultur-,
Finanz- und Bauverwaltung suchten nach Auswegen, um die Grundstücksfragen
zu lösen - etwa mit Entschädigungszahlungen.
Das im Jahr 2006 vom Senat verabschiedete Gedenkstätten-Gesamtkonzept sieht
eine "Erinnerungslandschaft" entlang der 1,3 Kilometer langen Strecke an
der Bernauer Straße vor. Dort spielten sich beim Mauerbau 1961 dramatische
Fluchtszenen ab.
Im Frühjahr 2010 wurde der ersten Gedenk-Abschnitt bis zur Ackerstraße mit
den prägnaten rostroten Stäben und Tafeln eröffnet. 2011, hofft Klausmeier,
würden der "Abschnitt B und C" an der Versöhnungskapelle bis zu
Brunnenstraße fertiggestellt. Auch das Dokumentationszentrum soll erneuert
werden. Die neue Gedenkstätte, die jährlich mehr als 500.000 Besucher
anzieht, sei bereits heute zum Besuchermagnet avanciert.
Die Anwohner des letzten geplanten Gedenkstreifens haben nun mobil gemacht,
weil sie eine Enteignung ihrer Grünflächen, Kleingärten oder
Kinderspielplätze befürchten, die auf das Gedenkareal ragen.
Entschädigungsangebote von 100.000 und 300.000 Euro lehnten sie bisher ab -
teils aus Prinzip, teils aus Wut über den bestehenden Bebauungsplan
(B-Plan) für "zu hohe" geplante Neubauten zwischen Bernauer und Schönholzer
Straße, teils aus wirtschaftlichen Erwägungen. "Ich bin bereit zu
verkaufen, aber nicht zu dem Preis", bekannte eine Anwohnerin.
Mathias Gille, Sprecher der zuständigen Bauverwaltung, widerspricht den
Enteignungsängsten: "Wir wollen eine Einigung, keine Enteignung." Man
bemühe sich um den Kauf der Grundstücke. Es handle sich schließlich um ein
"ambitioniertes" Gedenk-Vorhaben.
Der kulturpolitische Sprecher der Grünen, Oliver Schruoffeneger,
kritisierte am Montag den Senat für dessen Fehler vor Ort. Statt im Vorfeld
der Gedenkstättenpläne die Probleme mit den Anwohnerflächen und Bauhöhen
aus der Welt zu räumen, "steuert man hier in einen Konflikt mit
unabsehbaren Folgen". Nun zeichne sich eine Verzögerung des Projekts am
letzten Bauabschnitt ab. Das Land müsse alles daran setzen, damit hier kein
Dauerstreit bleibe. Leidtragende wären dann die Mauergedenkstätte mit einem
unvollständigen Konzept und die Besucher, sagte Schruoffeneger.
14 Sep 2010
## AUTOREN
(DIR) Rolf Lautenschläger
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