# taz.de -- UN-Milleniumsgipfel beendet: "Lieber Brot statt leere Versprechen"
       
       > Der UN-Milleniumsgipfel ist fast ohne konkrete Zusagen zu Ende gegangen.
       > Auch Obama forderte dabei mehr Eigenverantwortung der Entwicklungsländer.
       > China kritisierte die reichen Länder.
       
 (IMG) Bild: Keine konkreten Hilfszusagen: US-Präsident Barack Obama.
       
       NEW YORK afp | Nach dreitägigen Beratungen ist der UN-Millenniumsgipfel am
       Mittwoch in New York weitestgehend ohne konkrete Hilfszusagen zu Ende
       gegangen. US-Präsident Barack Obama rief die reichen Länder zum Abschluss
       des Gipfels auf, auch aus Eigeninteresse ihre Hilfen für die armen Länder
       zu erhöhen. Kritik am Verhalten der reichen Länder kam unter anderem aus
       China.
       
       "Wir sollten uns von dem alten Mythos verabschieden, wonach
       Entwicklungshilfe reine Wohltätigkeit ist und nicht unseren eigenen
       Interessen dient", sagte Obama. "In unserer globalisierten Wirtschaft
       können Fortschritte selbst in den ärmsten Ländern den Wohlstand und die
       Sicherheit von Menschen weit jenseits deren Grenzen voranbringen, auch
       unter meinen Landsleuten in den USA."
       
       Obama wie auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verwiesen auf Fortschritte
       bei der Bekämpfung von Armut und Krankheiten, mussten aber einräumen, dass
       noch nicht genug getan wurde. Von den acht Millenniumszielen, die sich die
       Vereinten Nationen bei ihrem Gipfel im Jahr 2000 gesetzt hatten, ist der
       Fortschritt bei der Rettung des Lebens von Millionen Müttern und Kindern am
       geringsten.
       
       Dazu hatte Ban schon vor seiner Abschlussrede ein milliardenschweres
       Gesundheitsprogramm angekündigt, mit dem bis zum Jahr 2015 rund 16
       Millionen Frauen und Kinder vor dem Tod durch Krankheiten, Komplikationen
       bei der Geburt oder schlechte Versorgung gerettet werden könnten. Wie viel
       der 40 Milliarden Dollar (knapp 30 Milliarden Euro) aus neuen Zusagen
       bestehen, blieb allerdings unklar.
       
       Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao kritisierte die reichen
       Länder. "Einen Laib Brot anzubieten ist nützlicher, als ein leeres
       Versprechen zu machen", sagte er in New York. Die reichen Länder müssten
       endlich das UN-Ziel erreichen, 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für
       Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen. Wen kündigte an, China werde
       mehr armen Ländern ihre Schulden erlassen und die Hilfen für Afrika
       aufstocken.
       
       Präsident Obama machte keine konkrete Zusagen über zusätzliche Hilfen der
       USA. Er stellte aber eine "Neue Leitlinie zur Globalen Entwicklung" vor,
       die seinen Worten zufolge das erste derartige Konzept einer US-Regierung
       darstellt. In der neuen Richtlinie solle Entwicklung nicht mehr nur anhand
       der Summe ausgezahlter Hilfen gemessen werden. "Wir wollen alle Instrumente
       einsetzen - von Diplomatie über Handel bis zur Investitionspolitik". Zudem
       solle sich die Hilfe weniger auf kurzfristige Leistungen konzentrieren, die
       Abhängigkeiten schaffen, sondern die eigene Entwicklung in den armen
       Ländern fördern.
       
       Die armen Länder rief Obama zu Eigenverantwortung auf: "Für Ihre eigene
       Führungsverantwortung gibt es keinen Ersatz: Nur Sie selbst können jene
       schwierigen Entscheidungen treffen, die den Weg für eine dynamische
       Entwicklung Ihrer Länder öffnet." Die USA seien bereit, in der
       Entwicklungshilfe eine Führungsrolle zu spielen. Obama warnte aber zugleich
       davor, das Potenzial seines Landes zu überschätzen: "Kein einzelnes Land
       kann sich überall um alles kümmern und dann auch noch gut dabei sein."
       
       Am Dienstag hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine
       stärkere Verantwortung der Regierungen der Entwicklungsländer plädiert.
       Zudem hatte sie sich bei ihrer Rede in New York für eine Erfolgskontrolle
       bei der Entwicklungshilfe ausgesprochen.
       
       23 Sep 2010
       
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