# taz.de -- Machtkampf in Russland: Medwedew feuert Moskauer OB
       
       > Russlands Präsident Medwedew hat den Moskauer Bürgermeister entlassen.
       > Seit langem hatte er sich mit ihm überworfen. Ihm wird Korruption
       > vorgeworfen.
       
 (IMG) Bild: Hatte Moskau 18 Jahre fest im Griff: Ex-OB Juri Luschkow.
       
       MOSKAU afp/dpa | Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat den umstrittenen
       Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow entlassen. Ein entsprechendes Dekret
       wurde am Dienstag vom Staatschef unterzeichnet und im Internet auf der
       Kreml-Webseite veröffentlicht. Gegen den seit 1992 in der Hauptstadt
       herrschenden Luschkow und seine Frau hatte es in den vergangenen Wochen
       massive Korruptionsvorwürfe gegeben.
       
       In dem Dekret Medwedews wird die Entlassung des 74-Jährigen Bürgermeisters
       angeordnet, "weil er das Vertrauen des russischen Präsidenten verloren
       hat". Das Amt solle vorerst Luschkows bisheriger Stellvertreter Wladimir
       Resin ausüben. Noch am Montag hatte Luschkow im Fernsehen ausgeschlossen,
       freiwillig von seinem Amt zurückzutreten.
       
       Kurz nach der Entlassung erhob die Partei Geeintes Russland von
       Regierungschef Wladimir Putin umgehend Anspruch auf das Amt des
       Stadtoberhauptes in Europas größter Metropole. Der Posten gilt als einer
       der wichtigsten in der russischen Politik.
       
       Parlamentschef Boris Gryslow sagte am Dienstag nach Angaben der Agentur
       Interfax, dass die Regierungspartei dem Präsidenten einen Kandidaten
       vorschlagen werde. Gryslow warf Luschkow vor, seine Entlassung selbst
       verschuldet zu haben.
       
       Zwischen Luschkow und Präsident Medwedew gab es seit geraumer Zeit
       Spannungen. Zuletzt hatte Medwedew dem Bürgermeister nahegelegt, in die
       Opposition zu gehen, nachdem dieser in einem Artikel von einer "sehr
       drückenden Atmosphäre in der Gesellschaft" gesprochen hatte. Der Kreml
       wirft Luschkow außerdem vor, mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2012
       einen Keil zwischen Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin treiben
       zu wollen.
       
       Die staatlichen russischen Fernsehsender hatten ihrerseits in den
       vergangenen Wochen zur besten Sendezeit Dokumentarfilme über Luschkow und
       seine Frau Elena Baturina gezeigt, die mit einem geschätzten Vermögen von
       mindestens 2,3 Milliarden Euro als reichste Frau Russlands gilt. Darin
       wurden Vorwürfe der Korruption und schlechten Regierungsführung laut. Unter
       anderem ging es um den Vorwurf, die Immobilienunternehmerin Baturina habe
       es nur dank der Hilfe ihres mächtigen Mannes zu Reichtum im öffentlichen
       und privaten Immobiliensektor gebracht.
       
       Außerdem wurde Luschkow in den Berichten vorgeworfen, er habe in den 18
       Jahren seiner Amtszeit das Chaos im Straßenverkehr der Hauptstadt nicht in
       den Griff bekommen. Von den Einwohnern der russischen Hauptstadt wird dem
       Bürgermeister verübelt, dass er sie während der schweren Waldbrände rings
       um Moskau lange allein ließ und im August lieber in den Urlaub fuhr.
       
       In Russland ernennt der Präsident die Bürgermeister wie auch die
       Gebietsgouverneure. Beobachter sprachen von einem politischen Beben in
       Moskau. Auch Menschenrechtler begrüßten das seit Tagen erwartete Machtwort
       Medwedews. Dies sei ein "Freudentag" für die unterdrückten Andersdenkenden
       in Moskau, sagte die Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ljudmila
       Alexejewa (83), der Nachrichtenagentur dpa.
       
       Der Bürgermeister hatte mit Rückendeckung der Gerichte immer wieder auch
       die Polizeigewalt gegen Demonstranten verteidigt. Allerdings warnte
       Alexejewa vor Euphorie. Unklar sei, wer nun Nachfolger werde.
       
       28 Sep 2010
       
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