# taz.de -- Koalitionsmöglichkeiten in den Ländern: Grün-rote Machtspiele
> In Baden-Württemberg kann es 2011 den ersten grünen Ministerpräsidenten
> geben. Denn die SPD zeigt sich offen dafür. Das könnte Signalwirkung auch
> für andere Bundesländer haben.
(IMG) Bild: Neue Farbenlehre: Grün-Rot ist im Anmarsch.
BERLIN taz | Die SPD stellt sich der Realität, wenigstens in
Baden-Württemberg. Angesichts der hohen Umfragewerte für die Grünen und des
großen Abstands zur SPD zeigen sich die Sozialdemokraten offen für eine
Juniorpartnerschaft unter den Grünen. "Wir wären ja besoffen, wenn wir
einen grünen Ministerpräsidenten ausschließen würden", sagt Claus
Schmiedel, SPD-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, der taz.
Das Ziel, stärkste Kraft zu werden, gebe die SPD nicht auf. Man müsse aber
konstatieren, dass die Grünen teils die Größenordnung von SPD und CDU
erreicht haben. "Wir müssen uns vom alten Schröder-Denken vom Koch und vom
Kellner verabschieden - und von dem Gedanken, dass es nur zwei
Volksparteien gibt", so Schmiedel. Er hoffe, dass dies auch bei der
Bundes-SPD angekommen ist.
Der Vorstoß der SPD aus Stuttgart kann auf andere Bundesländer
Signalwirkung haben. In Berlin etwa stehen im Herbst 2011 Wahlen an, SPD
und Grüne liegen in Umfragen derzeit Kopf an Kopf. Spekulationen über eine
Juniorpartnerschaft unter den Grünen hat die Berliner SPD bisher abgelehnt.
Wäre Baden-Württemberg im Frühjahr aber Wegbereiter für die erste grün-rote
Koaltion, würde es der Berliner SPD sehr viel leichter fallen, etwa Renate
Künast zur Bürgermeisterin zu wählen.
Der Berliner Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann erhofft sich aus dem
Südwesten jedenfalls ein Signal. "Was in Baden-Württemberg geht, kann doch
auch in Berlin klappen", sagte er der taz. Fiele die SPD tatsächlich hinter
die Grünen, würde die erste Reihe um Klaus Wowereit und Fraktionschef
Michael Müller ohnehin abtreten. "Es gibt genug andere in der SPD, die
einen grünen Regierenden Bürgermeister in Berlin wählen würden", so
Ratzmann.
Gedankenspiele um Führungsposten müssen sich die Grünen in Sachsen-Anhalt
nicht machen. Im März 2011 wird ein neuer Landtag gewählt. Erstmals könnte
dort die Linkspartei stärkste Kraft werden, derzeit liegt sie in Umfragen
wie die CDU bei 30 Prozent. Dass die SPD den Rückstand von 9 Prozentpunkten
aufholen wird, ist unwahrscheinlich. Auch hier stellt sich also die Frage
nach einer möglichen Juniorpartnerschaft - unter der Linkspartei. SPD-Chef
Jens Bullerjahn, derzeit Finanzminister in der großen Koalition, hat das
bisher kategorisch ausgeschlossen. Am Donnerstag wollte er sich dazu nicht
äußern.
Wulf Gallert, Spitzenkandidat der Linkspartei in Sachsen Anhalt, glaubt,
dass der Druck auf die SPD durch die Signale aus dem Südwesten jetzt größer
werde. "Die Sozialdemokraten konnten bisher nicht argumentativ erklären,
warum sie mich nicht zum Ministerpräsidenten wählen würden", sagte er.
In Berlin tut sich derweil noch eine ganz andere Möglichkeit auf. Unlängst
hat sich die Linkspartei den Grünen als Juniorpartner angeboten. Laut
aktuellen Umfragen wäre das durchaus denkbar. Grün-Dunkelrot also.
14 Oct 2010
## AUTOREN
(DIR) Paul Wrusch
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