# taz.de -- Neues Gesetz verabschiedet: Zwangsheirat wird strafbar
> Mit bis zu fünf Jahre Haft können Zwangsheiraten künftig bestaft werden,
> das gal Die Grünen halten den Gesetzentwurf für unnütz und kritisieren
> Kürzungen bei Integrationskursen.
(IMG) Bild: Sollen künftig besser vor Zwangsheirat geschützt werden: junge Musliminnen, hier in Duisburg.
BERLIN dpa / rts | Zwangsehen sollen in Deutschland künftig stärker
bekämpft werden. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch einen
Gesetzentwurf, nach dem eine Zwangsheirat als eigener Straftatbestand
gewertet werden soll. Bislang gelten Zwangsheiraten nur als schwere
Nötigung. "Zwangsheirat ist auch in Deutschland ein ernstzunehmendes
Problem", erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere. Es sei falsch,
darin eine tolerable Tradition aus anderen Kulturen zu sehen. Bei Verstößen
gegen das Gesetz sollen bis zu fünf Jahren Haft drohen. Nach dem Entwurf
soll auch die Antragsfrist zur Aufhebung einer Zwangsehe verlängert werden.
Nach den Vorstellungen der Bundesregierung wird zudem in Deutschland
aufgewachsenen Opfern von Zwangsehen im Ausland ein Wiederkehrrecht
eingeräumt. Voraussetzung sei allerdings, dass die Betroffene in
Deutschland eingelebt sei.
Zudem verschärft die Regierung die Anforderungen an Ausländer zur
Integration. So müssen Ausländerbehörden vor einer Verlängerung einer
Aufenthaltserlaubnis feststellen, ob ein Ausländer seiner Pflicht zur
Teilnahme an Integrationskursen nachgekommen ist.
Die Grünen haben den Gesetzentwurf der Koalition gegen Zwangsheirat als
unnütz kritisiert. "Zwangsheirat ist heute schon strafbar", sagte
Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck am Mittwoch in Berlin. "Das ist
kosmetische Gesetzgebung."
Bisher können Zwangsehen nur als schwere Nötigung geahndet werden. Die
Höchststrafe liegt schon jetzt bei fünf Jahren, doch mit der Neuregelung
soll eine juristische Verfolgung leichter werden. Beck verlangte, wer das
Problem stärker angehen wolle, müsse den Opferschutz verbessern.
Er warf der Koalition vor, mit geplanten Sanktionsverschärfungen gegen
Integrationsunwillige von eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen. "Das
Reden über Sanktionsmöglichkeiten ist ein Ablenkungsmanöver, weil
gleichzeitig Mittel für die Integrationskurse gekürzt werden."
27 Oct 2010
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