# taz.de -- Wechselgerüchte um Manuel Neuer: Herbeigeschmierter Transfer
> Hält Manuel Neuer so gut, weil er unbedingt zu den Bayern will oder weil
> er so an Schalke hängt? Die Münchner Fans mögen ihn jedenfalls nicht.
(IMG) Bild: Bester Torwart der Liga: Manuel Neuer beim Elfmetertöten.
BERLIN taz | Mit jeder katzenhaft eingesprungenen Parade wird es schlimmer.
Es muss ein virtuelles Abbild von Manuel Neuer sein, das da jeden Spieltag
zwischen den Pfosten des FC Schalke 04 steht und diese 7,32 Meter mal 2,44
Meter mit Herzblut verteidigt. Die meisten oder zumindest die lautesten
Medien sehen den 24-Jährigen schon längst im Leibchen des FC Bayern.
Der hat im Sommer unverhohlen sein Interesse bestätigt. Der deutsche
Nationaltorwart und der deutsche Rekordmeister, ja, da müsse einfach
zusammenkommen, was zusammengehört. Neuers Glanzvorstellung beim 2:0 gegen
die Münchner letzte Woche geriet in den Medien zum "Bewerbungsschreiben",
zum "Zeichen an Uli Hoeneß: Holt mich!".
Selbst beim Gelsenkirchener Fantreff gab es nur eine Frage: Geht er oder
bleibt er? Er, der ja schon als kleiner Manuel seinen Schalkern im Publikum
zujubelte, wie in jedem Neuer-Stück gerne erwähnt wird. Der ja so
verwachsen ist mit seinem Verein. Der kann doch nicht den Verein wechseln.
Schon gar nicht zu den Bayern.
Neuer selbst klang da beim Fan-Treff unentschlossener, da half auch nicht,
dass die Anhänger im gefüllten Raum "blau-weiß ein Leben lang" skandierten
– mehr als ein schwammiges, weil verschieden interpretierbares "na ja, das
wird ja auch immer so bleiben" ließ sich der Schalker Schlussmann nicht
entlocken.
Fachkreise wollten dagegen schon seit gefühlt mehreren Sommern von
"Absprachen" und "Geheimplänen" wissen, die der FC Bayern wahlweise mit
Neuer selbst oder gar mit Schalkes Personalunion Felix Magath getroffen
haben soll. Der drückt seinem Torwart in letzter Zeit öfters das Prädikat
"Weltklasse" auf. Magath weiß auch, dass Neuers Kontrakt 2012 endet, ein
Wechsel im Sommer 2011 vielleicht die letzte Gelegenheit böte, eine
Ablösesumme zu kassieren.
Im ganzen Transfergerüchtegeschreibe mag sich der mitfühlende Beobachter
fast wünschen, Neuer würde doch bitte endlich nach München wechseln, nur,
damit die Schlagzeilenpresse gezwungen ist, sich ein neues, noch
brandheißeres brandheißes Thema herbeizuschmieren.
Die Meinung des gemeinen Fans ist da eine ungleich andere. Am Samstag beim
bayerischen 3:0 gegen St. Pauli prangte in der Allianz-Arena ein
unübersehbares Banner, das da in Mundart proklamierte: "Mia braucha koan
Neuer Torwart. Mia ham scho Kraft", als Unterstützung gerichtet an
Butt-Ersatz Thomas Kraft, 22 Jahre alt und ambitioniert.
In der Klubführung indes herrscht nach dem grandios gescheiterten
Experiment mit dem derzeit genauso vereinslosen wie vergessenen
Kahn-Nachfolger Michael Rensing weniger Vertrauen in die eigene
Torwart-Ausbildung.
13 Dec 2010
## AUTOREN
(DIR) David Digili
## TAGS
(DIR) Torwart
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