# taz.de -- Kommentar Räumung der Liebig 14: Eskalation schadet auch Rot-Rot
       
       > Bei der Räumung des Hausprojekts Liebig 14 wird es zur Konfrontation
       > kommen. Der Senat hätte sie vermeiden können.
       
 (IMG) Bild: Am 02.02. soll das Haus in der Friedrichshainer Liebigstraße geräumt werden.
       
       Eine gute Woche bleibt noch, dann wird dem linken Hausprojekt Liebig 14 in
       Friedrichshain wohl ein Ende bereitet. Die Polizei wird zur Räumung ein
       Großaufgebot auffahren, Autonome wollen mit "dezentralen Aktionen" im
       Stadtgebiet antworten. Es wird unschöne Szenen geben - und die Debatte über
       Aufwertung und Freiräume in der Stadt dürfte sich heftig zuspitzen. Eine
       Konfrontation, die dem Senat mehr schaden als nützen wird. Er hätte sie
       vermeiden können.
       
       Im Bezirk wurde lange und ehrlich um eine einvernehmliche Lösung gerungen.
       Wieder und wieder setzten sich der grüne Bezirksbürgermeister und die
       Liebig-Bewohner an einen Tisch, deklinierten verschiedene Rettungswege
       durch - ohne Erfolg. Weil die Eigentümer an keinem Dialog interessiert
       waren. Aber auch weil der Senat auffällig untätig blieb. Kein Druck auf die
       Hausbesitzer, sich an den Gesprächen zu beteiligen. Keine ernsthafte
       Unterstützung für den Kauf der Liebig 14 durch eine Stiftung oder den Umzug
       in eine landeseigene Immobilie. Stattdessen ließ der Senat Bezirk und
       Bewohner hilflos strampeln.
       
       Egal wie man zur Liebig 14 steht, wie emanzipatorisch das Hausprojekt
       wirklich war - es ist ein folgenreiches Desinteresse, das der Senat hier
       demonstriert. Denn es wird die Kluft zu denen, die bezahlbares Wohnen in
       dieser Stadt akut schwinden sehen, vergrößern. Und es offenbart die eigene
       Ideenlosigkeit, wie alternative Wohnräume in den aufstrebenden
       Innenstadtquartieren erhalten werden können.
       
       Vor allem sendet die jetzige Eskalation eine wenig befriedende Botschaft an
       die letzten Alternativhäuser: dass sich Verhandeln und das Sichöffnen für
       Bezirk und Senat nicht lohnt.
       
       24 Jan 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
       
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