# taz.de -- Vorwürfe gegen Polizei: Jugendproteste enden mit Blessuren
> Nach Protesten gegen das Ende der präventiven Jugendhilfe in Neukölln
> beklagen jugendliche Demonstranten das rabiate Vorgehen der Polizei.
(IMG) Bild: Hat immer mit allem zu tun: Bezirksbürgmeister Heinz Buschkowsky (SPD)
Die abgewendeten Kürzungen der Neuköllner Jugendhilfe erregen weiterhin die
Gemüter im Bezirk. Nun erheben Jugendliche und ein Sozialarbeiter Vorwürfe
gegen die Polizei. Bei einem Einsatz im Neuköllner Rathaus am vergangenen
Mittwoch soll diese einige Demonstranten erheblich verletzt haben.
Rund 300 Menschen hatten an diesem Tag vor dem Rathaus Neukölln
demonstriert. In dem Gebäude tagte zur gleichen Zeit die
Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und beratschlagte eine Streichung der
Gelder im Bereich der präventiven Jugendhilfe - wozu es am Ende nicht kam
(taz berichtete). Nach Beginn der Sitzung stürmten etwa 60 Teilnehmer der
Kundgebung - unter ihnen viele Kinder und Jugendliche - in das Foyer des
Rathausgebäudes an der Karl-Marx-Straße, um sich in der Sitzung Gehör zu
verschaffen und die Rettung ihrer Projekte zu verlangen.
Die für die Demo eingesetzten Polizeibeamten verhinderten jedoch den Zugang
zum Sitzungssaal. Weil daraufhin die Eindringlinge ihren Protest lautstark
im Foyer fortgesetzt hätten, hätten die Pförtner die Beamten gebeten, die
Demonstranten ganz aus dem Gebäude zu drängen, erklärte
Bezirksbürgermeister und Hausherr Heinz Buschkowsky (SPD) der taz. Aus
Sicht der Pförtner habe die Menge "eine drohende Haltung ihnen gegenüber
eingenommen".
Allerdings ging die Polizei hierbei nach Angaben der Betroffenen nicht
gerade zimperlich vor. Erst sei es zu einer Festnahme mit "übertriebener
Gewaltanwendung" gekommen, sagt Cigir Özyurt, Sozialarbeiter beim
JugendtheaterBüro Berlin, der Augenzeuge war. Später seien die restlichen
Protestierer "aus dem Rathaus rausgeschubst und geprügelt worden", so die
betroffenen Jugendlichen von dem Weddinger Jugendtheater in einer
Pressemitteilung.
## Keine Anzeige erstattet
Für Özyurt war das Vorgehen der Polizei "völlig unverhältnismäßig". Eine
mündliche Aufforderung zum Verlassen des Gebäudes habe es vorher nicht
gegeben. Ärztliche Atteste belegen laut Özyurt Verletzungen wie Hämatome
oder Atembeschwerden nach Schlägen auf den Brustkorb bei drei Jugendlichen
zwischen 15 und 22 Jahren.
Die Polizei wollte sich zu den Vorwürfen gegenüber der taz nicht äußern. Da
keine Anzeige erstattet worden sei, werde man auch nichts unternehmen, so
ein Sprecher der Polizei. Auch Buschkowsky erklärte, dass ihm keine Fälle
von Gewalt gegen Protestierende bekannt seien. Die Betroffenen würden auf
eine Strafanzeige verzichten, da in diesem Fall mit einer Anzeige wegen
Hausfriedensbruchs zu rechnen sei, sagte Özyurt. Das solle den Jugendlichen
nicht zugemutet werden.
18 Jul 2011
## AUTOREN
(DIR) Werner Krause
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