# taz.de -- Mensch-Tier-Chimären in der Forschung: Mier und Tensch sollen tabu bleiben
       
       > Das Austragen von Mischwesen zwischen Tier und Mensch soll nicht erlaubt
       > werden. Das fordert einhellig der Deutsche Ethikrat. Da hört es mit der
       > Einigkeit aber auch auf.
       
 (IMG) Bild: Berühmtes Mischwesen: Skulptur einer Sphynx im Londoner Kristallpalast.
       
       BERLIN taz | Der Deutsche Ethikrat will die biologische Trennung von Mensch
       und Tier aufrechterhalten. In seiner am Dienstag vorgelegten Stellungnahme
       „Mensch-Tier-Mischwesen in der Forschung“ setzte er sich deshalb dafür ein,
       das Embryonenschutzgesetz zu erweitern.
       
       Es solle kein Lebewesen heranwachsen können, bei dem die Zuordnung als
       Mensch oder Tier „nicht sicher“ sei. Die Übertragung solcher Mischwesen in
       eine Gebärmutter soll laut der 26 Mitglieder des Ethikrates verboten
       bleiben. Ob die schleichende Aufhebung der Trennlinie zwischen Mensch und
       Tier mit den Empfehlungen aufgehalten werden kann, ist jedoch fraglich.
       
       Mischwesen zwischen Mensch und Tier gibt es derzeit schon sehr viele. Zum
       Beispiel die transgene Ziege, die mit ihrer Milch ein menschliches Protein
       ausscheidet, es wird als Arzneimittel genutzt. Aber auch die abertausenden
       von unterschiedlichen transgenen Mäusen gehören dazu, die weltweit als
       Modelltiere für menschliche Krankheiten genutzt werden. Nach Angaben des
       SPD-Politikers und Ethikratmitglieds Wolf-Michael Catenhusen würde allein
       in Deutschland jedes Jahr eine sechsstellige Anzahl von transgenen Mäusen
       geboren.
       
       ## Heilen mit Chimären
       
       In der Parkinson-Forschung hat man zum Beispiel versucht, die Krankheit
       durch die Transplantation von menschlichen Stammzellen in das Gehirn zu
       stoppen. Ausprobiert und getestet wurde das an Tieren, sogenannten
       Gehirnschimären. Diese Versuche wurden auch schon mit Primaten gemacht.
       Derartige Forschungen veranlassten den Rat, die jetzt vorgestellten
       Empfehlungen in einem zwei Jahre dauernden Diskussionsprozess zu erstellen.
       
       Die dritte Gruppe von Mischwesen sind die sogenannten Zybride. Sie
       entstehen, wenn beim Klonen der Zellkern einer menschlichen Körperzelle in
       die Hülle einer tierischen Eizelle übertragen wird. Mit dieser Methode
       möchten die Forscher embryonale Stammzellen mit menschlichen Eigenschaften
       herstellen. Der US-Firma ACT gelang nach eigenen Angaben schon vor gut
       zwölf Jahren, das Erbgut menschlicher Hautzellen mit entkernten Eizellen
       von Kühen zu verschmelzen. In China wurde ähnliche Experimente mit
       Kaninchenzellen gemacht. In Großbritannien wird derzeit versucht,
       menschenähnliche Stammzellen mit den Eizellhüllen von Kühen herzustellen.
       
       ## 
       
       Die Hoffnung ist, dass diese Zellen eines Tages zur Behandlung der
       Parkinson- oder Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden können, ohne dass sie
       vom Immunsystem wieder abgestoßen werden. Ein Vorteil ist auch, dass bei
       dieser Methode keine menschlichen Eihüllen gebraucht werden. Denn
       menschliche Spendereizellen sind rar, zudem ist die Spende für Frauen nicht
       ohne Risiko.
       
       ## Artübergreifende Befruchtung
       
       In Deutschland ist nach dem Embryonenschutzgesetz von 1991 zwar die
       Erzeugung eines entwicklungsfähigen Embryos durch die artübergreifende
       Befruchtung einer Eizelle mit dem Samen von Mensch oder Tier verboten. Das
       Klonen einer menschlichen Körperzelle in einer tierischen Eihülle fällt
       nach Ansicht des Ethikrates jedoch nicht unter dieses Verbot.
       
       Im Ethikrat besteht kein Konsens darüber, ob die Herstellung von Zybriden
       künftig verboten werden soll. Elf Mitglieder möchten, dass diese
       Verbotslücke im Embryonenschutzgesetz geschlossen wird. Zwölf Ethikexperten
       wollen die Forschung weiter erlauben.
       
       Genenerell verboten sein sollen nach Ansicht des Ethikrates alle
       Mischexperimente zwischen Mensch und Menschenaffen. Hier bestehe die größte
       Gefahr, dass Tiere mit menschlichen Eigenschaften entstehen, heißt es.
       Deshalb dürfe auch die Übertragung von Menschengenen auf Primaten nur als
       Ausnahme zugelassen werden.
       
       27 Sep 2011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolfgang Löhr
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Embryonen
       
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       beantwortet werden.