# taz.de -- Reform der Bundeswehr: Jeder zehnte Standort schließt
       
       > Von 400 Bundeswehrstandorten sollen 31 geschlossen und 33 verkleinert
       > werden. Länder und Kommunen wollen Unterstützung vom Bund - um die Folgen
       > zu lindern.
       
 (IMG) Bild: Panzer wird's in Zukunft weniger geben, Friedensaktivisten vermutlich nicht.
       
       BERLIN dapd | Im Zuge der Bundeswehrreform werden in den kommenden Jahren
       31 Standorte geschlossen. Das teilte Verteidigungsminister Thomas de
       Maizière (CDU) am Mittwoch in Berlin mit. Hinzu kommen weitere 33
       Standorte, die so reduziert werden, dass sie weniger als 15 Stellen haben
       und nicht mehr als Standorte gezählt werden. Damit werden künftig noch
       bundesweit 264 Standorte mit mehr als 15 Stellen erhalten.
       
       Von den Schließungen sind 10 der 16 Bundesländer betroffen. Von
       Standortschließungen verschont bleiben Berlin, Brandenburg, Bremen,
       Hamburg, Saarland und Sachsen-Anhalt. Die meisten Schließungen wird es in
       Schleswig-Holstein geben, wo acht Standorte aufgegeben werden. Hier gibt es
       momentan noch deutschlandweit die meisten Soldaten pro 1.000 Einwohner.
       
       Noch vor Bekanntgabe der Details zur Bundeswehrreform gingen Länder,
       Kommunen und Opposition den Bund um Hilfe zur Linderung der Folgen an.
       Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) pochte auf einen Beitrag der
       Bundesregierung, um Standortschließungen abzufedern.
       
       Die Kommunen verlangten ein Hilfsprogramm für betroffene Regionen. Die SPD
       forderte eine größere Unterstützung der deutschen Waffenindustrie. Die
       Bundesagentur für Arbeit (BA) kündigte eine Vermittlungsinitiative für
       Bundeswehr-Mitarbeiter an.
       
       ## Zentraler Arbeitgeber vor Ort
       
       Seehofer sagte am Dienstag in München, die betroffenen Kommunen bräuchten
       eine Unterstützung. "Jeder Standort, der geschlossen wird, tut weh", sagte
       er.
       
       Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd
       Landsberg, sagte der "Passauer Neuen Presse", Bund und Länder trügen
       Verantwortung dafür, dass an den aufgegeben Standorten nicht das Licht
       ausgeht. Oft sei die Bundeswehr der zentrale Arbeitgeber und mit ihren
       Zivilbediensteten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
       
       Städte und Gemeinden könnten die häufig großen Flächen, die jetzt
       aufgegeben werden, nicht alleine für eine neue Nutzung erschließen. Das
       Verteidigungsministerium solle diese Liegenschaften vergünstigt und im
       Zweifel unentgeltlich an die Kommunen abgeben.
       
       BA-Vorstand Heinrich Alt sagte, Jobcenter sollten direkt in den betroffenen
       Kasernen Präsenz zeigen, Soldaten und Zivilangestellten Angebote machen und
       zeigen, was die Agentur bieten könne. Die Arbeitsagenturen hätten mit
       ehemaligen Bundeswehrangehörigen gute Erfahrungen gemacht. "Sie verfügen
       oftmals über eine gute Ausbildung und eine ordentliche Qualifikation",
       sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post".
       
       ## SPD: Bundesregierung muss beim Waffenexport helfen
       
       Verteidigungsminister de Maizière will außerdem auf 37 Kampfflugzeuge, 40
       Kampfhubschrauber verzichten und 185 Panzer weniger anschaffen.
       SPD-Haushälter Johannes Kahrs sagte am Dienstag auf der
       "Handelsblatt"-Sicherheitskonferenz in Berlin, die Bundesregierung müsse
       nun den Rüstungskonzernen helfen, ihre Waffen im Ausland zu verkaufen.
       
       Unter Rot-Grün habe dies noch funktioniert. Betroffen wären neben dem Luft-
       und Raumfahrtkonzern EADS auch Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann KMW.
       Die drei Unternehmen hatten dem Stockholmer internationalen
       Friedensforschungsinstut zufolge 2008 insgesamt [1][mehr als 2 Milliarden
       Euro Gewinn] gemacht.
       
       26 Oct 2011
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://books.sipri.org/files/FS/SIPRIFS1004.pdf
       
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