# taz.de -- Lobbyismus-Skandal in Großbritannien: Wikipedia sperrt Lobbyisten aus
       
       > Mit versteckter Kamera wurde eine britische Lobbyfirma beim Prahlen
       > gefilmt: Sie könne sich um unliebsame Wikipedia-Artikel kümmern. Nun
       > zieht das beliebte Online-Lexikon Konsequenzen.
       
 (IMG) Bild: Mit versteckter Kamera überführt: Manager der Firma Bell Pottinger prahlt von Kontakten zum Premierminister.
       
       LONDON dpa/taz | Das Internet-Lexikon Wikipedia zieht Konsequenzen aus
       einer Lobbyismus-Affäre im Umfeld der britischen Regierung.
       Wikipedia-Gründer Jimmy Wales [1][kündigte in der Financial Times] an, zehn
       in Zusammenhang mit der Lobby-Firma Bell Pottinger stehende Nutzer-Konten
       gesperrt zu haben.
       
       Es bestehe der Verdacht, dass die Regeln zum Erstellen oder Ändern von
       Einträgen im Online-Lexikon gebrochen worden sein könnten. "Wir sehen uns
       jetzt deren Aktivitäten an, um uns einen Überblick zu verschaffen", sagte
       Wales. Bis Ende der Woche wolle man reagieren.
       
       Wikipedia ist eine der beliebtesten Internet-Seiten weltweit. Die
       kostenlose Online-Enzyklopädie enthält derzeit rund 20 Millionen Artikel in
       verschiedenen Sprachen - alle erstellt von freiwilligen Nutzern.
       Richtlinien sollen Interessenskonflikte vermeiden. Die Änderungen sind in
       der Versionsgeschichte eines Artikels dokumentiert und somit auch im
       Nachhinein nachvollziehbar.
       
       ## Firma räumt Änderungen ein
       
       Bell Pottinger hat der Financial Times zufolge eingeräumt, im Auftrag von
       Kunden Wikipedia-Einträge bearbeitet zu haben. Dies sei jedoch nie auf
       illegale Weise geschehen. "Wenn uns Kunden gefragt haben, Unwahrheiten zu
       veröffentlichen, haben wir dies mit Hinweis auf Wikipedias strenge Regeln
       immer verweigert."
       
       Zuvor hatte die Zeitung [2][Independent Aufzeichnungen veröffentlicht], in
       denen Mitarbeiter von Bell Pottinger angeben, Premierminister David Cameron
       beeinflussen, Google-Ergebnisse verbessern und sich um negative
       Wikipedia-Artikel "kümmern" zu können. Außerdem könne man über
       Parlamentsabgeordnete investigativ arbeitende Journalisten unter Druck
       setzen, indem man diese wegen kleinerer Faktenfehler anschwärze.
       
       8 Dec 2011
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.ft.com/cms/s/0/0d13cc7e-2104-11e1-8a43-00144feabdc0.html?ftcamp=rss#axzz1fwNLpX5v
 (DIR) [2] http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/caught-on-camera-top-lobbyists-boasting-how-they-influence-the-pm-6272760.html
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Großbritannien
       
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