# taz.de -- Register der Verkehrsdelikte: Weniger Punkte in Flensburg
> Bundesverkehrsminister Ramsauer will das Verkehrssündenregister in
> Flensburg reformieren. Künftig soll es für Delikte nur noch ein oder zwei
> Punkte geben.
(IMG) Bild: Wer sündigt, fährt ins Abseits.
Autofahrer können künftig mit einer schnelleren Streichung ihrer
gesammelten Verkehrssünden rechnen als bislang. Das ist ein Kern der Reform
der zentralen Verkehrssünderkartei in Flensburg, den die schwarz-gelbe
Bundesregierung jetzt auf den Weg bringt. „Wir wollen das System einfacher,
gerechter und transparenter machen“, sagte Bundesverkehrsminister Peter
Ramsauer (CSU) am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung der Eckpunkte für
ein entsprechendes Gesetz. Das bisherige System sei viel zu kompliziert,
worunter die Akzeptanz leide. Ramsauer möchte das Reformwerk vor der
nächsten Bundestagswahl im Herbst 2013 unter Dach und Fach bringen, so dass
es Anfang 2014 in Kraft treten könnte. Allerdings müssen die Bundesländer
zustimmen.
Die Verkehrssünderdatei in Flensburg speichert schwere und schwerste
Vergehen von Verkehrsteilnehmern mit Strafpunkten, die je nach Brisanz des
Vergehens gestaffelt sind. Solche Vergehen sind etwa das Übertreten der
erlaubten Geschwindigkeit, Missachten des Rotlichts an Ampeln oder des
Handyverbots, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss – das gilt nicht
nur für Auto-, sondern auch für Radfahrer. Bislang gilt: Wer 18 Punkte
gesammelt hat, verliert seine Fahrerlaubnis. Wer eine Zeit lang keine neuen
Punkte bekommen hat, kann mit einer Streichung seiner Sünden rechnen –
dabei gelten allerdings komplizierte Fristen- und
Tilgungshemmnisregelungen. Falls innerhalb des Zeitraums, in dem noch
Punkte gelten, ein weiterer Punkt hinzukommt, bleiben alle Punkte stehen –
die Komplettstreichung verschiebt sich um mindestens zwei Jahre.
Kern der Neuregelung ist: Jedes Vergehen soll künftig einzeln getilgt
werden. Dafür wird die Tilgungsfrist für einfache Vergehen von zwei auf
zweieinhalb Jahre verlängert. Diese Novellierung der Tilgungsfristkaskade
ist fahrerfreundlich: Wer beispielsweise heute zu schnell fährt und in
einem Jahr eine rote Ampel missachtet, müsste sich nach der alten Regel bis
zum Jahr 2015 unauffällig verhalten, um wieder eine weiße Weste zu
bekommen. Nach der neuen Regel stünde in zweieinhalb Jahren nur noch ein
Rotlichtverstoß auf dem Konto.
Zudem möchte Ramsauer die Wertigkeit der Strafpunkte vereinfachen: Künftig
soll es nur noch ein oder zwei Punkte für Verkehrsdelikte geben – dafür
verliert der Betroffene bereits nach acht Punkten seinen Führerschein. Des
Weiteren will Ramsauer die strafpunktrelevanten Delikte auf Vergehen
beschränken, „die für die Verkehrssicherheit wichtig sind“. Das Einfahren
in eine Umweltzone ohne entsprechende Plakette würden künftig nicht mehr
mit einem Punkt geahndet, nur das Bußgeld bliebe.
Bei der Überführung des alten in das neue System sollen die bestehenden
Punkte umgerechnet werden. Ramsauer erwartet, dass künftig mehr Menschen
ihre Fahrerlaubnis verlieren werden. Derzeit sind es etwa 5.000 pro Jahr,
künftig könnten es 5.500 sein. Rund 52 Millionen Menschen in Deutschland
haben einen Führerschein.
Der Autofahrerclub ADAC begrüßte die geplante Neuregelung als „überfällig“.
Sie sei kein Freibrief für Raser und Drängler. Dafür sorge die abgesenkte
Obergrenze von acht Punkten. Für den ökologischen Verkehrsclub Deutschlands
(VCD) sind Ramsauers Vorschläge „besser als erwartet“. Kritisch sei jedoch
die geplante Einordnung von Tempodelikten und die Schwächung der
Umweltzonen.
28 Feb 2012
## AUTOREN
(DIR) Richard Rother
## TAGS
(DIR) Autofahrer
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