# taz.de -- Antikorruptionsprozess in Kuba: Fanal gegen Selbstbedienung
       
       > Drei Ex-Vizeminister und etliche Funktionäre wurden zu langjährigen
       > Haftstrafen verurteilt. Veruntreuung bedrohe die kubanische Revolution.
       
 (IMG) Bild: Feier zum 53. Jahrestag der Revolution: „Korruption bedroht die Grundlagen der Revolution“.
       
       BERLIN taz | „In Anbetracht der Schwere des Falles und der Folgen“ hat ein
       Gericht in der kubanischen Stadt Holguín hart durchgegriffen. Zwölf Jahre
       Haft wegen Korruption wurden über Alfredo Rafael Zayas López, ehemaliger
       Vizeminister des Ministeriums der Basisindustrie und später Geschäftsführer
       der Nickelmine „Pedro Soto Alba“ verhängt; zehn Jahre über seinen
       Nachfolger Ricardo González Sánchez und acht Jahre über Antonio Orizón de
       los Reys Bermúdez.
       
       Der war den beiden Kollegen vorangegangen und hatte gleich zwanzig Jahre
       als Vizeminister im Nickelsektor gewirkt. Mit verheerenden Folgen.
       
       Die drei ranghohen Funktionäre waren für die Modernisierung und Erweiterung
       der Nickelmine verantwortlich. Die Mine liegt bei der Industriestadt Moa im
       Nordosten der Insel. Über ein Joint Venture mit der kanadischen Firma
       Sheritt International sollte die Mine ausgebaut werden. Nickel ist mit
       Exporten in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar ein Eckpfeiler der
       kubanischen Wirtschaft.
       
       Der Prozess gegen die ehemaligen Funktionäre offenbare, dass in diesem
       Schlüsselbereich über etliche Jahre systematisch in die eigene Tasche
       gewirtschaftet wurde. Den Funktionären und Mitarbeitern der Mine kamen die
       Ermittler im September 2010 auf die Schliche, als Industrieministerin
       Yadira García wegen „Kontrollmängeln“ abgesetzt wurden.
       
       Bereits zuvor hatte Staatschef Raúl Castro gegen die Korruption mobil
       gemacht. Die drohe die Grundlagen der kubanischen Revolution zu gefährden,
       mahnte der 81-Jährige zuletzt im Januar auf der Parteikonferenz.
       Folgerichtig statuieren die Gerichte nun ein weiteres Exempel.
       
       Bereits 2011 sorgten die Gerichte mit zwei Prozessen wegen Veruntreuung von
       Ressourcen auf den Flugplätzen des Landes und bei der Verlegung des
       Internetkabels von Venezuela nach Kuba für Schlagzeilen. Da mussten bereits
       zwei Vizeminister gehen.
       
       Nun sind es gleich drei, und erneut berichtete die Granma, die Zeitung der
       kommunistischen Partei, ausführlich – ein Zeichen dafür, wie ernst es der
       Regierung mit der Korruptionsbekämpfung ist. Früher wurden die
       Verantwortlichen im Ministerrang einfach abgesetzt, wie zum Beispiel der
       ehemalige Außenminister Roberto Robaina, der 1999 gefeuert wurde, weil sich
       seine Frau bereichert hatte. Heute drohen den Funktionären lange
       Haftstrafen.
       
       23 Aug 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Knut Henkel
       
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