# taz.de -- Pfarrer über Kinderheime: „Geschlossene Heime können helfen“
       
       > Mit Freiheitsentzug zur Freiheit erziehen? Das geht nicht, sagt Pfarrer
       > Fricke-Hein. Trotzdem seien geschlossene Heime manchmal sinnvoll.
       
 (IMG) Bild: „Isolierung hat oft Bedrohungsfantasien zur Folge“ – Treppe zu einem Heim der Haasenburg GmbH.
       
       taz: Herr Fricke-Hein, in den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der
       Kinder in geschlossenen Heimen in Deutschland mehr als verdoppelt, auf 389.
       Wird die Jugend unkontrollierbarer? 
       
       Hans-Wilhelm Fricke-Hein: Es ist schon so, dass die Probleme, mit denen wir
       konfrontiert sind, zunehmen. Das liegt auch an der Individualisierung
       unserer Gesellschaft und am Fehlen von erzieherischen Vorbildern. Zudem
       haben viele Kinder Beziehungsabbrüche erlebt. Andererseits muss man sich
       aber fragen, ob die richtige Reaktion darauf ist, die Zahl der Kinder in
       geschlossener Unterbringung zu erhöhen. Das wage ich zu bezweifeln.
       
       Gibt es denn Fälle, in denen eine geschlossene Unterbringung gerechtfertigt
       sein kann? 
       
       Ja, die gibt es leider. Man muss geschlossen unterbringen, wenn Kinder für
       sich oder andere eine Gefahr darstellen. Bei uns sind das sexuell
       übergriffige und grenzverletzende Jugendliche, die in den ersten Wochen
       freiheitsentziehenden Maßnahmen unterliegen. Grundsätzlich gilt aber: Man
       kann nicht durch Freiheitsentzug zur Freiheit erziehen. Wenn allerdings die
       geschlossene Unterbringung als Hilfe erlebt wird – auch das ist möglich –,
       kann das für eine kurze Zeit angebracht sein.
       
       Sitzen die Kinder dann den ganzen Tag allein im Zimmer? 
       
       Das darf auf keinen Fall sein. Sie dürfen nur nicht allein hinaus. Aber sie
       absolvieren auf jeden Fall ihr pädagogisches Programm. Isolierung hat oft
       Ängste und Bedrohungsfantasien zur Folge. So weit darf es nicht kommen. In
       einer geschlossenen Unterbringung ist der erste Gedanke oft: „Wie komme ich
       hier raus?“ In einer offenen Einrichtung stellt sich ein Kind eher die
       Frage: „Was bringt es mir, wenn ich hier drin bin?“
       
       Wenn ein Kind sich verweigert? 
       
       Sport spielt eine große Rolle, aber auch Kunst und Musik. Darüber kann man
       oft Beziehungen aufbauen. Wenn ein Kind aus einem Heim mehrmals wegläuft,
       müssen Jugendamt und Sorgeberechtigte mit dem Kind überlegen, ob es dort
       richtig untergebracht ist. Man kann ein Kind nicht gegen seinen Willen
       irgendwo unterbringen, wenn es nicht eine Gefahr für sich selbst und andere
       ist.
       
       Die taz deckte im Juni auf, dass in den Heimen der Haasenburg GmbH in
       Brandenburg Kinder mutmaßlich über Monate hinweg isoliert wurden … 
       
       … wenn das so ist, kann ich nur sagen: Das geht gar nicht! Sicherlich ist
       es mal gut, wenn ein Kind alleine für sich zur Ruhe kommt. Aber es darf
       nicht sein, dass Kinder bewusst isoliert werden. Die sollen das soziale
       Miteinander lernen. Außerdem können sie oft von anderen Kindern lernen, wie
       diese mit schwierigen Situationen umgehen.
       
       Was sollte mit den Einrichtungen der Haasenburg GmbH geschehen, wenn sich
       die Vorwürfe bestätigen? 
       
       Wenn es genauso ist, wie es dargestellt wurde, dürfte keine
       Betriebserlaubnis erteilt werden. Das hieße, dass man die Arbeit stoppen
       müsste. Aber man muss aufpassen: Die Haasenburg ist ein großes System. Wenn
       in einer Gruppe diese Vorfälle gewesen sein sollten und in anderen nicht,
       dann wäre es nur sinnvoll, dafür zu sorgen, dass es in dieser einen Gruppe
       aufhört.
       
       6 Aug 2013
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Denis Schnur
       
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