# taz.de -- Premiere für Straßenbahn: Sie fährt!
       
       > Am Mittwoch ist die erste Straßenbahn durch Lilienthal gerollt – nach
       > jahrelanger Debatte. In Huchting ist die Verlängerung noch in Planung.
       
 (IMG) Bild: Am Mittwoch rollte die erste Bahn durch Lilienthal.
       
       Mittwochvormittag um Punkt 10.40 Uhr ist es soweit: Eine Straßenbahn rollt
       durch Lilienthal. Obgleich vorerst nur zwecks technischer Abnahme, so ist
       es doch die erste Fahrt einer Niederflurbahn auf den neu verlegten Schienen
       – die BSAG erobert niedersächsischen Boden.
       
       Jahre, Jahrzehnte haben Befürworter sich diesen Moment ersehnt und Gegner
       alles versucht, ihn zu verhindern – sie hätten die neuen Schienen wohl bis
       zum Schluss am liebsten mit Beton übergossen. Haben sie aber nicht, die
       Kritiker wurden immer weniger und die Linie 4 fährt bald regelmäßig über
       Borgfeld weiter bis nach Falkenberg.
       
       „Die Leute haben uns zugewunken und Fotos geschossen“, sagt Lilienthals
       Bürgermeister Willy Hollatz (Grüne). Er hat sich die Mitfahrt ebenso wenig
       nehmen lassen wie BSAG-Chef Wilfried Eisenberg. Hollatz’ Wahl 2004, kurz
       nach einer positiv ausgefallenen Bürgerbefragung, markiert den
       Stimmungsumbruch zugunsten einer Verlängerung der Linie 4 in Lilienthal.
       
       Vor allem Geschäftsleute hatten sich vor den langen Bauarbeiten gefürchtet
       – nicht ganz zu Unrecht. Lilienthal glich während der dreijährigen Bauphase
       einem Hindernisparcours, das ohnehin vorstädtisch-verschlafene Straßenleben
       starb fast völlig. Einige Geschäfte gaben auf. Nun aber liegen die Schienen
       auf 5,5 Kilometern auf der Hauptstraße. Schon wird von einem Immobilienboom
       gemunkelt.
       
       „Hinter der Bahn haben sich einige Autos gestaut, aber sie ist gut
       durchgekommen“, berichtet ein Beobachter der Abnahmefahrt. Nun können die
       Straßenbahnfahrer die Strecke üben, am 1. August beginnt der
       Fahrgast-Betrieb. Da wird nun wohl nichts mehr dazwischen kommen – anders
       als bei den Bauarbeiten.
       
       Die sollten eigentlich im April 2013 abgeschlossen sein, doch sie
       verzögerten sich enorm, die Baufirma ging Pleite. Ganz abgesehen vom
       politischen Hin und Her, das seit den 1980er-Jahren köchelte, bis man sich
       2009 einigte: Bremen, Niedersachsen und der Bund teilen sich nun die
       Baukosten von rund 65 Millionen Euro, die Gemeinde Lilienthal stemmt etwa
       10 Millionen.
       
       So ähnlich soll es auch in Huchting laufen, wo die Verlängerung der Linie 1
       vom Roland Center bis Mittelshuchting und der Linie 8 bis ins
       niedersächsische Stuhr in Planung ist. Seit Mitte Juni liegen die Dokumente
       des zweiten Planfeststellungsverfahren aus. Auch in Huchting gibt es
       erbitterten Widerstand.
       
       Einiges aber ist anders als in Lilienthal: In Huchting wird die Bahn gegen
       den Willen der örtlichen Politik verlängert – der Stadtteilbeirat lehnte
       das vor Jahren ab und bleibt dabei. Anders als in Lilienthal soll auch die
       neue Strecke nicht direkt über die Hauptstraße, die Kirchhuchtinger
       Landstraße, führen, sondern sich auf der Trasse der ehemaligen
       Bremen-Thedinghauser-Eisenbahn durchs Wohngebiet schlängeln.
       
       „Huchting kriegt durch die Bahn eine schlechtere Anbindung als mit dem
       Ringbus“, sagt Manfred Danne, Sprecher der Bürgerinitiative „Huchting-Ini“.
       Er kritisiert einen unzureichenden Lärmschutz, Eingriffe in Privatgrund,
       Baumfällarbeiten, zu wenige Radwegen oder mögliche Staus. Und das auch,
       nachdem nach einem Beteiligungsverfahren zahlreiche Änderungen vorgenommen
       wurden, die Strecke nun nicht mehr über den Dorfplatz führen und auf der
       Heinrich-Plett-Allee in die Straßenmitte verlegt wurde – Manfred Danne ist
       weiter dagegen.
       
       Im laufenden Planfeststellungsverfahren will er für so viele Einwände wie
       möglich sorgen, um den Prozess zu bremsen. Eine Strategie, die greifen
       könnte: Denn jahrzehntelange Debatten wie in Lilienthal wird man sich hier
       nicht leisten können – die Förderperiode läuft aus. I
       
       st der Bau nicht spätestens 2019 fertig, gibt es kein Geld vom Bund. Der
       zahlt 60 Prozent der veranschlagten knapp 65 Millionen Euro. Der Zeitplan
       ist eng – an Pannen, Verzögerungen oder gar Insolvenzen von Baufirmen wie
       in Lilienthal gar nicht zu denken.
       
       25 Jun 2014
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jean-Philipp Baeck
       
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 (DIR) Verkehrswende
       
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