# taz.de -- Deutsch-griechischer Gipfel: Die laute WG im Erdgeschoss
       
       > Tsipras besucht Berlin. Rätselhaft, wieso Merkel diesen kommunistischen
       > Südbalkanesen überhaupt empfängt. Skypen hätte es doch auch getan.
       
 (IMG) Bild: Sie sind laut, entsorgen den Müll nicht richtig und sind immer wieder mit der Miete in Rückstand. Athen 2012.
       
       Es ist der vielleicht seltsamste Staatsbesuch, den Berlin seit langer Zeit
       erlebt hat. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras gibt sich eine
       Ehre, die natürlich ganz aufseiten seiner Gastgeber ist. Wie man das eben
       so macht, wenn man den neuen Hauptmieter aus dieser lauten WG im
       Erdgeschoss in sein Penthouse einladen muss.
       
       Um ihn besser kennenzulernen, schließlich sind das ungehobelte Leute da
       unten. Feiern, entsorgen den Müll nicht richtig und sind immer wieder mit
       der Miete in Rückstand. Auf Dauer beeinträchtigen diese Typen mit ihrem
       Verhalten den Wert unserer Immobilie, nicht wahr? Und wir wissen doch alle,
       wem dieses hübsche Haus gehört? So ist es.
       
       Tsipras fliegt mit einer Sondermaschine des griechischen Staates, obwohl er
       sich das eigentlich nicht leisten kann – ein Linienflug hätte es auch
       getan. Oder die übliche Balkan-Route mit dem Auto, die 2300 Kilometer sind
       mit Chauffeur in 22 Stunden zu schaffen. Wäre eine bescheidene, dem Besuch
       angemessene Geste gewesen.
       
       Um 17.00 Uhr will Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn mit militärischen Ehren
       vor dem Kanzleramt empfangen, obwohl er das eigentlich nicht verdient hat –
       der Eingang für Dienstboten hätte es auch getan. Oder ein Gespräch via
       Skype, dann hätten wir uns das ganze Theater mit den Motorrad-Eskorten,
       Wimpeln, abgesperrten Straßen und roten Teppichen sparen können. Denn darum
       geht es doch, das Sparen.
       
       ## Dinge, die sich nicht gehören
       
       Rätselhaft bleibt, wieso Merkel diesen kommunistischen Südbalkanesen
       überhaupt empfängt. War die deutsche Außenpolitik gegenüber Griechenland
       bei den Hyänen von der Bild und dem Quizonkel Jauch bisher etwa nicht in
       den besten Händen? Und wurden wir von diesen Experten nicht stündlich über
       neue Dreistigkeiten über die da unten unterrichtet und somit auf
       volksgemeinschaftliche Betriebstemperatur vorgeheizt? Schlimme Sachen haben
       wir da gehört. Dinge, die sich nicht gehören.
       
       Auch haben sich mit Wolfgang Schäuble und Yannis Varoufakis die beiden
       Finanzminister bereits kennen und nicht eben lieben gelernt. Der eine fährt
       Rollstuhl, der andere eine Yamaha XJR 1300. Das kann nicht klappen. Weshalb
       es wohl angebracht ist, dass nun Merkel sich mal den Zampano der WG
       persönlich vorknöpft. Zu diesem Zweck frisst selbst die Bild Kreide und
       listet von „Griechischer Wein“ (Udo Jürgens) bis zum „Seufz-Anblick der
       weißen Häuser auf Santorini“ 50 Gründe auf, warum „uns Griechenland lieb
       und teuer ist“, hihi, teuer.
       
       Mag sein, dass die Vormieter des Penthouse vor ein paar Jahren mal in die
       WG im Erdgeschoss eingebrochen sind, die Bewohner bestialisch massakriert,
       alle Wertgegenstände ausgeräumt und anschließend die Bude in Brand gesetzt
       haben. Aber darum geht es jetzt ebenso wenig wie um die Tatsache, dass wir
       hier oben denen da unten kürzlich erst teuerste Unterhaltungselektronik
       angedreht haben, als sie schon längst pleite waren.
       
       Es geht darum, dass sie uns jetzt gefälligst das Geld zurückzahlen, das wir
       ihnen zu diesem Zweck geliehen hatten, lächelnd wie die
       Gebrauchtwagenhändler. Wobei es sich bei uns nicht um uns, sondern um
       Banken und bei der Unterhaltungselektronik um 170 Leoparden aus der
       Produktion von Krauss-Maffei Wegmann handelt. Zu kompliziert, schon klar,
       bleiben wir lieber bei wir und die und dem übersichtlichen Gezanke um
       Schulhofgesten.
       
       Im Mittelpunkt des gemeinsamen Gesprächs, hört man, steht der Streit um die
       Reformpolitik des pleitebedrohten Landes. Es steht also im Mittelpunkt des
       gemeinsamen Gesprächs – der Streit. Gegen 18.15 Uhr ist eine gemeinsame
       Pressekonferenz Merkels mit Tsipras geplant. Es wird, so oder so, sicher
       ein „Seufz-Anblick“ sein.
       
       23 Mar 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Arno Frank
       
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