# taz.de -- Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
       
       > Geld für Griechenland, das Horst-Wessel-Lied, der Griff an das Gesäß und
       > eine Schwangerschaft, die man sich leisten können muss.
       
 (IMG) Bild: Hände weg: In Österreich soll das Pograpschen jetzt strafbar werden.
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Erst gibt man den Griechen kein Geld, und dann
       holen sie es sich auch noch woanders!
       
       Was wird besser in dieser? 
       
       Wenn das gut geht, hat die EU ein ziemliches Begründungsproblem, warum man
       ähnlich nicht in der Ukraine kooperiert.
       
       In Österreich soll das Pograpschen nun per Gesetz strafbar werden und
       zählt, neben dem Griff an Brüste oder in den Schritt, als sexuelle
       Belästigung. Auf welche Belästigung können Sie gut und gern verzichten? 
       
       Freue mich zunächst, dass es erlaubt bleibt, sich jederzeit an den Kopf zu
       fassen. Etwa über Nationalratsmitglied Marcus Franz („Team Stronach“) , der
       zur Debatte über den Gesetzentwurf beitrug: Es sei legitim zu prüfen, ob
       das Gesäß halte, was sein Anblick verheiße; und er habe immerhin seine Frau
       so kennengelernt. Da fällt es schwer, typische sexuelle Belästigungen von
       Frauen an Männern dagegenzurechnen – zumal manche Männer sich eher
       unzureichend sexuell belästigt fühlen. Übrigens : Parteiguru und zeitweise
       Opel-Rettungskandidat („Magna“) „Frank Stronach“ kam als „Franz Strohsack“
       zur Welt. So dokumentarisch möchte Mann ja auch nicht heißen.
       
       Berater der Bundeswehr erreichten 2013 doppelt so viele SchülerInnen wie im
       Jahr zuvor und begeistern so junge Menschen für die Truppe. Was sagt man
       dazu? 
       
       Das nennt man „Wehretat“. 35 Millionen Euro – mehr denn zuvor – steckt die
       Truppe in Projekttage auf Schulhöfen, Lehrerseminare und den guten alten
       Informationsoffizier. Nachdem in allen Bundesländern das „Verbot von
       Werbung auf dem Schulgelände“ zerniert wurde, tummeln sich dort auch
       Versicherungen und Banken, halt alle, die Hunger auf unschuldige Seelen
       haben. De jure müsste ein alter Schülermitverwaltungstraum also nun wahr
       werden können: Nach dem BW-Offizier gibt die nächste Stunde ein Pazifist.
       
       Eine 65-jährige Frau ist mit Vierlingen schwanger. Können wir den
       demografischen Wandel doch noch aufhalten? 
       
       Medizinisch betrachtet ist sie der Kontakthof zweier ihr und einander
       unbekannter Eltern. Die hatten Ei und Samen. Nur – sie hatte das Geld. Auch
       wenn die Risiken für Mutter und Kinder – und die Zukunftsaussichten – zu
       beargwöhnen sind: Das kann man bewerten, ändern kann man es nicht. Was man
       ändern möchte, ist eine Gesellschaft, in der die einen sich für 10.000 Euro
       eine Schwangerschaft leisten, wo nebenan andere Schwangerschaften aus
       wirtschaftlicher Not abbrechen.
       
       Eine Lehrerin in Berlin hat ihre Schüler zum Summen des Horst-Wessel-Lieds
       animiert. Geht so moderner Geschichtsunterricht? 
       
       Man muss in Geschichte Hitler-Texte analysieren, man muss sie nicht auf dem
       Schulhof brüllen lassen. Man muss in Biologie sexuell originelle Neigungen
       würdigen, nicht praktizieren. Man muss in Musik politischen Missbrauch von
       Kunst kenntlich machen, und dazu muss man diese Kunst nicht einüben. Der
       Kontext – eine „Schule ohne Rassismus“, benannt nach einer verfolgten
       jüdischen deutschen Mathematikerin – lässt hoffen: Das war das Gegenteil
       von gut, nämlich gut gemeint.
       
       Martin Winterkorn darf VW-Boss bleiben. Es hieß, die Aktie des Konzerns
       habe daraufhin einen Freudensprung vollführt. Wie hoch sind Sie gesprungen? 
       
       Ich wärme mein Herzchen an dem Umstand, dass der erfolgreichste
       Automobilkonzern zu 20 Prozent im Staatsbesitz ist. Und die Mehrheit liegt
       bei so was Altmodischem wie Familienclans. Bei strenger Auslegung
       neoliberaler Theorien wären die längst pleite. Tatsächlich regt ein
       Führungsstreit dort mehr auf als einer bei, sagen wir mal, der FDP.
       
       Gisele Bündchen hat ihre Laufstegkarriere an den Nagel gehängt, weil ihr
       Körper sie gebeten habe, damit aufzuhören. Was sagt Ihr Körper? 
       
       Kern der Schönheit ist die vollständige Abwesenheit von Sinn und Zweck.
       Also wird Bündchen jetzt schön. Mein Körper sagt, ich soll langsamer Rad
       fahren, sonst Rücken.
       
       Jürgen Klopp verlässt den BVB im Sommer. Müssen jetzt auch die Teamärzte
       gehen, damit endlich wieder alles gut wird? 
       
       Bei Bayern geht der Rücktritt des Teamarztes Müller-Wohlfahrt traditionell
       (Klinsmann 2008) dem Rauswurf des Trainers voraus. Hehe. Deshalb
       spekulieren manche, Bayern könnte Interesse an Klopp haben. Das ist dann
       alles deren Problem. Für den BVB isses wumpe, jeder neue wird mit dem alten
       verglichen werden. Deshalb hätte sich angeboten, in der Zeit bis zum
       nächsten Engagement Klopps in Dortmund etwas Unvergleichliches und
       Originelles zu tun. Silvia Neid, Weltmeister-Trainerin der Frauen, ist bald
       am Markt und wohnt um die Ecke in Siegen. Na. Nun wird es das
       Erfrischungstuchel.
       
       Und was macht der BVB sonst? 
       
       Der Ausnahmezustand ist wiederhergestellt, die Klopp-Epoche geht würdevoll
       zu Ende.
       
       FRAGEN: MAB, HÖDL, ARUE
       
       19 Apr 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Friedrich Küppersbusch
       
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