# taz.de -- Tilo Jung zum Frauentag: Naiv war gestern
       
       > Tilo Jung twittert zum 8. März eine sexistische Bilderserie. Dafür wird
       > er im Netz bestraft. Krautreporter will Konsequenzen ziehen.
       
 (IMG) Bild: Aufmerksamkeitsjunkie Tilo Jung. Die aktuelle Aufmerksamkeit hätte er sich aber wohl lieber erspart.
       
       Am Ende hat er es mit Selbstgeißelung versucht: „Am Weltfrauentag – via
       Instagram – als Mann einer Frau in den Rücken zu treten, ist symbolische
       Selbstverbrennung“, [1][twitterte Tilo Jung] Montagmittag. „Symbolische
       Selbstverbrennung“, das klingt schön blumig für das, was seit Sonntag im
       Netz über den Journalisten und Macher vom Webvideoformat von „Jung und
       Naiv“ herzieht. So als hätte er es kommen sehen, als hätte er die Empörung
       bewusst verursacht.
       
       Über Instagram hatte er [2][eine Bilderserie veröffentlicht], die von
       hinten eine Frau im Bikini am Strand zeigt. Erst greift sie nach einer
       Männerhand, um zum Meer zu laufen. Im nächsten Bild tritt ein behaartes
       Männer-Bein ihr in den Rücken, sie stolpert und fliegt in den Sand. Jung
       schrieb unter die Bilder „Women's Day“. Mittlerweile hat er das Bild aus
       seiner eigenen Timeline gelöscht, Screenshots davon gibt es aber noch.
       
       Nun ist Tilo Jung nicht dafür bekannt, besonders kluge oder differenzierte
       Positionen zu vertreten. Im Gegenteil: Sein selbsgewähltes Markenzeichen
       ist Naivität. Das hat er sich selbst gegeben und war damit zunächst ganz
       erfolgreich. Für „Jung und Naiv“ trifft er Politiker und stellt naive bis
       dämliche Fragen. Dabei rutscht ihm auch mal ein [3][zweifelhaftes Interview
       mit einem Hamas-Führer] durch. Kritisches Nachhaken, einordnen oder
       recherchieren gehören nicht zu seinem Programm. In der letzten Zeit nervt
       er regelmäßig Politiker und Journalisten in der Bundespressekonferenz. Jung
       ist ein Aufmerksamkeitsjunkie. Popularität vor Qualität. Dafür hat er
       immerhin den Grimme Online Award bekommen.
       
       Nun spricht Jung allerdings nicht nur für sich allein. Er ist das aktivste
       Mitglied der [4][Krautreporter], jener Redaktion, [5][die im vergangenen
       Jahr für ihr Onlinemagazin viel Geld von Lesern gesammelt haben].
       Überzeugen wollten die Krautreporter damals vor allem mit Autoren, die man
       kennt, denen man gut recherchierte, toll geschriebene Geschichten zutraut.
       Wenn Jung sich nun daneben benimmt, ist es nur konsequent, dass das auch
       auf die Krautreporter zurückfällt. Auf Twitter verlangten einige Leser und
       Unterstützer den Rauswurf von Jung. Andere beschwerten sich darüber, dass
       ihr Geld in Krautreporter fehlinvestiert gewesen sei.
       
       Krautreporter-Geschäftsfüher Sebastian Esser, der erst am Montagmorgen von
       Jungs Tweet erfuhr, [6][twitterte gleich]: „Zu @TiloJung: Krautreporter
       steht nicht für Sexismus und das Kokettieren mit Gewalt gegen Frauen. Wir
       werden Konsequenzen daraus ziehen.“
       
       Welche das sind, will die Redaktion heute im Laufe des Tages besprechen. Um
       vier soll es eine Teambesprechung geben. Das Thema Frauen ist bei den
       Krautreportern sowieso ein heikles: Als sie im vergangenen Jahr gestartet
       sind, ernteten sie viel Kritik dafür, dass ihre Autorenschaft zu männlich
       sei. [7][Mittlerweile arbeiten mehr Frauen mit als zu Beginn].
       
       Jung jedenfalls twitterte am Montagmorgen: [8][„Schlechte Witze verdienen
       diese Reaktionen. Mein Fehler, tut mir leid.“] Dabei dürfte es ihn nicht
       überrascht haben, wie schnell die Empörung bei gewaltverherrlichenden,
       chauvinistischen Bildern hochschlägt: Vor drei Jahren modelte Jung in einem
       [9][frauenfeindlichen Werbespot] für die Billigstrommarke „E wie einfach".
       
       Das Video bekam so massive Kritik, dass es zurückgezogen werden musste.
       Tilo Jung scheint das verdrängt zu haben. Oder er wollte einfach mal
       ausloten, wie schnell man im Internet den Hass auf sich zieht. So ganz naiv
       eben.
       
       9 Mar 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://twitter.com/TiloJung/status/574870147518828544
 (DIR) [2] http://twitter.com/JensTwiehaus/status/574875637967667200
 (DIR) [3] http://www.youtube.com/watch?v=ddBpCWUlH9w
 (DIR) [4] http://krautreporter.de/
 (DIR) [5] /!148289/
 (DIR) [6] http://twitter.com/sebastianesser/status/574873709250482176
 (DIR) [7] http://verwickeltes.wordpress.com/2015/01/04/kraut-von-ruben-sortiert-krautreporter-durchgezahlt/
 (DIR) [8] http://twitter.com/TiloJung/status/574870147518828544
 (DIR) [9] http://www.youtube.com/watch?v=Za97fXI9eiM
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Fromm
       
       ## TAGS
       
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